Mauthausen

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Weiterentwicklung der KZ-Gedenkstätte Gusen offiziell begonnen

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Gusen Memorial © Bernhard Mühleder

 

Wien, 08.03.2022 – Mit heutigem Datum haben Bundesminister für Inneres Gerhard Karner und Direktorin der KZ-Gedenkstätte Mauthausen Barbara Glück den offiziellen Start für die Weiterentwicklung der KZ-Gedenkstätte Gusen bekannt gegeben. Der Ankauf weiterer wesentlicher Grundstücke auf dem Areal des ehemaligen Konzentrationslagers Gusen durch die Republik Österreich ist abgeschlossen.

Auf den nun angekauften Grundstücken befinden sich bedeutende bauliche Überreste des KZ Gusen, darunter der Appellplatz, der Schotterbrecher und zwei SS-Verwaltungsgebäude.

Für die Erweiterung der bestehenden KZ-Gedenkstätte Gusen um diese neuen Areale startet jetzt die KZ-Gedenkstätte Mauthausen einen Beteiligungsprozess zur Einbindung von Interessensgruppen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Ziel ist die Erarbeitung eines Rahmenkonzeptes, das die Wünsche und Bedürfnisse von Überlebenden und deren Angehörigen ebenso berücksichtigt wie jene der Anwohner*innen. Dies ist im Fall der KZ-Gedenkstätte Gusen von besonderer Bedeutung, da sie mit der später auf KZ-Gelände errichteten Siedlung in besonderem Maße verwoben ist.

Die ersten Maßnahmen werden sofort umgesetzt: Bereits seit heute wird mit Unterstützung des österreichischen Bundesheeres der Pflanzenbewuchs am ehemaligen Appellplatz reduziert, um diesen Bereich zugänglich zu machen. Bei einem regionalen Auftakt wird Direktorin Barbara Glück gemeinsam mit dem Bürgermeister der Gemeinde Langenstein Christian Aufreiter die weiteren Vorhaben der interessierten Öffentlichkeit vorstellen.

Die offiziellen Gremien der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, in denen alle Opfergruppen, Opfernationen und wichtige nationale wie internationale Stakeholder vertreten sind, werden laufend über die bevorstehenden Entwicklungen informiert.

Am inhaltlichen Erarbeitungsprozess werden nationale wie internationale Expert*innen beteiligt sein. Ziel ist die Verknüpfung des aktuellen Forschungsstands mit den Anforderungen moderner pädagogischer Vermittlung und Gedenkkultur.

Alle Schritte werden seitens der KZ-Gedenkstätte Mauthausen transparent kommuniziert, um einen permanenten Austausch zu gewährleisten.

Das KZ Gusen wurde ab Dezember 1939 von Häftlingen des KZ Mauthausen errichtet. Ab Mai 1940 existierte es als Zweiglager des Konzentrationslagers Mauthausen. Bis zu seiner Befreiung im Mai 1945 wurden dort 71.000 Gefangene aus fast 30 Nationen inhaftiert. Mehr als die Hälfte überlebte die Haft nicht.

Die Gefangenen wurden von der SS-eigenen Firma „Deutsche Erd- und Steinwerke“ zur Arbeit in den Steinbrüchen eingesetzt. Ab Anfang 1943 mussten Tausende Sklavenarbeit für Rüstungsfirmen wie Steyr-Daimler-Puch und Messerschmitt leisten. Im benachbarten St. Georgen an der Gusen errichteten Gefangene des KZ Gusen II eine der größten unterirdischen Rüstungsfabriken im Deutschen Reich. Für den Bau einer Großbäckerei wurde Ende 1944 das Außenlager Gusen III eingerichtet.

Von den zumindest 71.000 Gefangenen aus mindestens 27 Nationen, die dort bis zur Befreiung des Lagers im Mai 1945 inhaftiert waren, kam mehr als die Hälfte zu Tode.

Das Lager wurde in den Jahren nach der Befreiung weitgehend zerstört. Heute finden sich in der Region nur mehr verstreute bauliche Überreste. Der Virtuelle Guide hilft dabei, sie aufzuspüren und stellt sie in ihrem historischen Kontext dar.

 

 

Der Virtuelle Guide

Der Virtuelle Guide stellt den regionalen Einflussbereich des ehemaligen Konzentrationslagers Gusen dar. Um zum Guide zu gelangen klicken sie hier: