Die "Entdeckung" von Gusen

55th Infantry Battalion vor den "Bergkristall"-Stollenanlagen in St. Georgen, 5. Mai 1945. Nur kurz nach der Truppe unter Kosiek stößt unabhängig von jener eine weitere Patrouille, in diesem Fall des zum Kampfkommando A gehörigen 55th Infantry Battalion unter dem Kommando von Staff Sergeant Leander Hens nach St. Georgen vor. (Foto: KZ-Gedenkstätte Mauthausen / Sammlungen)55th Infantry Battalion vor den "Bergkristall"-Stollenanlagen in St. Georgen, 5. Mai 1945. Nur kurz nach der Truppe unter Kosiek stößt unabhängig von jener eine weitere Patrouille, in diesem Fall des zum Kampfkommando A gehörigen 55th Infantry Battalion unter dem Kommando von Staff Sergeant Leander Hens nach St. Georgen vor. (KZ-Gedenkstätte Mauthausen / Sammlungen)Mit dem Auftrag, eine feindliche Stellung auszukundschaften sowie den Zustand der Brücke über die Gusen bei St. Georgen zu überprüfen, wurde am Morgen des 5. Mai 1945 eine 23-köpfige Patrouille des 41. Cavalry Squadron unter dem Kommando von Sgt. Albert J. Kosiek von Katsdorf aus in Richtung Süden entsandt.
Völlig unvorhergesehen und entgegen ihrer eigentlichen Mission fuhr diese Truppe wenige Stunden später als Befreier in die Konzentrationslager Gusen und Mauthausen ein.

Aus dem Erinnerungsbericht von Albert J. Kosiek, in: „Thunderbolt“, 1955:

„Aus der Distanz hörte man plötzlich ein gedämpftes Motorengeräusch. Die Männer in unserem Fahrzeug waren sofort in Alarmbereitschaft. Durch den Feldstecher konnten wir ein Motorrad und einen weißen Kastenwagen mit einem roten Kreuz auf der Motorhaube ausmachen. […] Aus dem Auto stiegen zwei SS-Offiziere, der Fahrer und ein Mann in Zivilkleidung. Der Zivilist war vom Internationalen Roten Kreuz und der Wortführer dieser ruchlosen Bande. […] Was wir von diesen Leuten erfahren konnten war, dass es auf der anderen Seite der Brücke ein großes Konzentrationslager gab, das wir uns näher ansehen sollten. Der Mann vom Roten Kreuz versuchte einen amerikanischen General zu kontaktieren, um dieses Lager zu übergeben. […]”

Sgt. Albert J. Kosiek, Kommandant einer 23köpfigen Patrouille des 41. Cavalry Squadron, die Mauthausen und Gusen befreite. (KZ-Gedenkstätte Mauthausen / Sammlungen)Sgt. Albert J. Kosiek, Kommandant einer 23köpfigen Patrouille des 41. Cavalry Squadron, die Mauthausen und Gusen befreite. (KZ-Gedenkstätte Mauthausen / Sammlungen)Louis Häfliger, Schweizer Delegierter des Internationalen Roten Kreuzes, der sich bereits im Vorfeld der Befreiung aktiv für die vorzeitige Entlassung von KZ-Häftlingen eingesetzt hatte, hatte Kenntnis von Gerüchten über eine geplante Vernichtung der Häftlinge des Lagers Gusen durch die SS. Er machte sich gemeinsam mit dem SS-Obersturmführer Guido Reimer von Mauthausen aus auf den Weg in Richtung Linz, um Kontakt zu US-Truppen herzustellen und sie nach Gusen und Mauthausen zu lotsen.

Kosiek und seine Truppe waren bereits vor ihrem Aufeinandertreffen mit Häfliger auf das Außenlager Gusen III in Lungitz gestoßen. Nun wurden sie über St. Georgen zuerst zum Lager Gusen II, dann ins Lager Gusen I geführt. Die Truppe blieb nur kurz in Gusen, fuhr weiter nach Mauthausen, und erst am Rückweg wurden am späten Nachmittag die etwa 800 Wachmänner der Feuerschutzpolizei in Gusen widerstandslos entwaffnet und gemeinsam mit den etwa 1000 Feuerschutzpolizisten aus Mauthausen als Kriegsgefangene nach Gallneukirchen, dem Kommandostützpunkt des Kampfkommandos B, gebracht.