Medizinische Versorgung

Krankenschwestern des 131st Evacuation Hospitals bei der Pflege von Patienten in den ehemaligen SS-Baracken im Lager Gusen I, Mai 1945. (Foto: Privatbesitz von Mrs. Mary Traub, 2nd Lieutenant des 131st Evacuation Hospital; Courtesy of Mary Traub)Krankenschwestern des 131st Evacuation Hospitals bei der Pflege von Patienten in den ehemaligen SS-Baracken im Lager Gusen I, Mai 1945. (Foto: Privatbesitz von Mrs. Mary Traub, 2nd Lieutenant des 131st Evacuation Hospital; Courtesy of Mary Traub)Um die medizinische Versorgung der kranken und schwachen Häftlinge gewährleisten zu können, mussten seitens der US-Lagerverwaltung militärische Sanitätseinheiten angefordert werden. Zusätzlich wurden aus den Reihen der ehemaligen Häftlinge zehn Ärzte und aus der lokalen Bevölkerung Pflegepersonal rekrutiert.

Am 9. Mai 1945 wurde das 131st Evacuation Hospital, ein mobiles Militärlazarett, vom Kommando der 3. US-Armee von Süddeutschland aus nach Gusen beordert. Die 30 Ärzte und Sanitäter sowie 40-50 Krankenschwestern nahmen tags darauf ihre Arbeit auf. Die acht SS-Baracken südlich des Lagers wurden innerhalb von 4 Tagen gereinigt, entlaust und mit etwa 1500 Krankenbetten ausgestattet. Eine zusätzliche Krankenstation wurde später in den Werkshallen nördlich des Lagers eingerichtet.

Medizinische Betreuung von Patientinnen im Freien nahe des Lagerhospitals, Mai 1945 (Foto: Privatbesitz von Mrs. Mary Traub, 2nd Lieutenant des 131st Evacuation Hospital; Courtesy of Mary Traub)Medizinische Betreuung von Patientinnen im Freien nahe des Lagerhospitals, Mai 1945 (Foto: Privatbesitz von Mrs. Mary Traub, 2nd Lieutenant des 131st Evacuation Hospital; Courtesy of Mary Traub)Das Häftlingsrevier im Lager wurde Schritt für Schritt geräumt und die Kranken in das Hospital verlegt, auch schwer kranke Häftlinge aus dem Hauptlager Mauthausen wurden überstellt. Patienten, die sich einigermaßen erholt hatten, wurden entweder wieder im Lager oder in Krankenanstalten in der Umgebung untergebracht.
Trotz intensiver Pflege starben pro Tag immer noch Dutzende der zumeist an Tuberkulose, Typhus, Ruhr oder allgemeiner Unterernährung leidenden Patienten in der Obhut des 131st Evacuation Hospital.

Mit der kontinuierlichen Repatriierung von Häftlingen – mit Stand 3. Juni 1945 waren bereits mehr als 4000 in ihre Heimatländer transportiert worden – leerte sich das Lager langsam, am 22. Juni 1945 verließ das 131st Evacuation Hospital schließlich Gusen.

Patient in Obhut des 131st Evacuation Hospitals, Mai 1945. (Foto: Privatbesitz von Mrs. Mary Traub, 2nd Lieutenant des 131st Evacuation Hospital; Courtesy of Mary Traub)Patient in Obhut des 131st Evacuation Hospitals, Mai 1945. (Foto: Privatbesitz von Mrs. Mary Traub, 2nd Lieutenant des 131st Evacuation Hospital; Courtesy of Mary Traub)„Vor Grauen schaudernd sahen wir die ausgezehrten Körper der Häftlinge, und der Gestank des Todes lag in der Luft. Wir sahen hohe Stapeln von Leichen, die deutschen Zivilisten legten sie in die Kisten, und ein Bulldozer wurde verwendet, um Erde über sie zu schieben. […] Überall lagen Menschen herum. So viele, dass sie keine Zeit hatten, sie einzusammeln – sie waren alle an Hunger gestorben. […] Wir gingen dann durch einige der Krankenbaracken, wo drei bis vier Personen auf einer einzigen Pritsche lagen, voll von Typhusfieber, Ruhr, Tuberkulose und allen möglichen Arten von Seuchen, die dem Menschen bekannt sind. Die Sterbenden schliefen mit den Toten, und die meisten waren so schwach, dass sie es nicht aus dem Bett schafften.”

Auszug aus: Erinnerungsbericht von Mary R. Bergquist, ehemalige Pflegerin des 131st Evacuation Hospital (USHMM, Washington)