Der Lagerführer Karl Chmielewski

Lagerführer Chmielewski (rechts) und weitere SS-Offiziere vor sowjetischen Kriegsgefangenen auf dem Appellplatz Gusen, aufgenommen zwischen März und Oktober 1942. Aufnahme des Erkennungsdienstes. (Foto: Museu d’Història de Catalunya, Barcelona)Lagerführer Chmielewski (rechts) und weitere SS-Offiziere vor sowjetischen Kriegsgefangenen auf dem Appellplatz Gusen, aufgenommen zwischen März und Oktober 1942. Aufnahme des Erkennungsdienstes. (Foto: Museu d’Història de Catalunya, Barcelona)Karl Chmielewski (geb. 1903) versuchte sich nach abgebrochener Schulausbildung als Bildhauer und Werbegraphiker. 1933 trat er in die SS ein. Er arbeitete als Polizist im Münchener Polizeipräsidium, später im Stab Himmlers und danach in der Lagerführung des Konzentrationslager Sachsenhausen. Anfang 1940 wurde er nach Mauthausen versetzt. Er beaufsichtigte den Bau des Konzentrationslagers Gusen und wurde dessen erster Lagerführer. Chmielewski ordnete nicht nur Tötungsaktionen und Folterungen an, er nahm auch persönlich an Morden und Misshandlungen von Häftlingen teil. 

Chmielewski konnte sich darauf verlassen, dass sein Wille auch ohne direkten Befehl von seinen Untergebenen umgesetzt würde. Um sie ganz von sich abhängig zu machen, billigte er den von ihm eingesetzten Funktionshäftlingen weitreichende Machtbefugnisse gegenüber den übrigen Häftlingen zu.

Ende 1942 erfolgte seine Versetzung als Lagerführer in das Konzentrationslager Herzogenbusch. Zehn Monate später klagte ihn ein SS-Gericht wegen der Unterschlagung von Wertgegenständen sowie der Vergewaltigung weiblicher Häftlinge an. Im Sommer 1944 wurde er zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt und als Häftling in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert. Als Lagerältester in dessen Außenlager Allach erlebte er die Befreiung. Danach tauchte er unter falschem Namen unter. Als er sich wiederverheirateten wollte, flog seine falsche Identität auf, und er wurde verhaftet. 1961 wurde er wegen persönlicher Beteiligung an 293 Morden zu lebenslanger Haft verurteilt. Chmielewski starb 1991, zwölf Jahre nach seiner Haftentlassung.