Die SS-Lagerärzte

Exponate des anatomischen Museums der "Pathologischen Abteilung" in Gusen. (Foto: KZ-Gedenkstätte Mauthausen / Sammlungen)Exponate des anatomischen Museums der "Pathologischen Abteilung" in Gusen. (Foto: KZ-Gedenkstätte Mauthausen / Sammlungen)Die SS-Lagerärzte unterstanden nicht der Lagerführung sondern dem SS-Standortarzt, der seine Anordnungen wiederum von den Berliner Zentralstellen erhielt. 16 SS-Ärzte waren während des Bestehens des Konzentrationslagers Gusen hier tätig. Sie hielten es nicht für ihre Aufgabe, das Leben und die Gesundheit der Häftlinge zu bewahren, sondern sahen die Häftlinge hauptsächlich als Versuchsobjekte um Operationen zu üben oder die Wirkung von neuen Medikamenten zu testen. Die SS-Ärzte nahmen auch die Selektionen der Kranken vor. Fast alle SS-Lagerärzte ermordeten kranke Häftlinge durch Injektionen oder ließen sie von SS-Sanitätsdienstgraden oder Funktionshäftlingen umbringen.

Der letzte Gusener SS-Lagerarzt war Helmuth Vetter, er arbeitete gleichzeitig auch für den I.G. Farben-Konzern. Im Auftrag des Konzerns setzte Vetter in Gusen Versuche mit Medikamenten gegen Flecktyphus und TBC, die er im Konzentrationslager Auschwitz begonnen hatte, fort. Soweit die Häftlinge diese Versuche überlebten, sind sie durch Injektionen ins Herz ermordet worden. Die Zahl der Opfer dieser Experimente ist nicht bekannt. Im 2. Mauthausenprozess in Dachau wurde Vetter zum Tod verurteilt und 1949 gehängt.

Die "Pathologische Abteilung"

Dem Krankenrevier war eine Pathologische Abteilung mit einem anatomischen Museum angeschlossen. Häftlinge, deren körperliche Merkmale den SS-Ärzten als abnorm oder interessant vorkamen oder Tätowierungen hatten, wurden durch Herzinjektionen getötet und ihre Leichen präpariert. Im anatomischen Museum befanden sich zuletzt 286 Präparate und ein sehr umfangreiches Album mit tätowierter Menschenhaut. Der größere Teil der Präparate wurde an die SS-ärztliche Akademie in Graz geschickt oder an verschiedene Universitäten verkauft.