Geschichte nach 1945

Eingangstor und ehemaliges Jourhaus mit der Aufschrift "Granitwerke Gusen". Unter diesem Namen führten die Sowjets den Steinbruchbetrieb in Gusen bis 1955 weiter; Datum der Aufnahme unbekannt. (Foto: Ministère de la Défense - Direction pour la Mémoire, le Patrimoine et les Archives)Eingangstor und ehemaliges Jourhaus mit der Aufschrift "Granitwerke Gusen". Unter diesem Namen führten die Sowjets den Steinbruchbetrieb in Gusen bis 1955 weiter; Datum der Aufnahme unbekannt. (Foto: Ministère de la Défense - Direction pour la Mémoire, le Patrimoine et les Archives)Schon kurz nach der Befreiung begannen die baulichen Überreste des Lagers zu verschwinden. 

Das Lager Gusen II wurde von den amerikanischen Truppen komplett niedergebrannt, um die Ausbreitung von Seuchen zu verhindern. 
Das sogenannte herrenlose Gut des Lagers Gusen I wurde einerseits durch die örtliche Gemeindebehörde, meist mit Zustimmung der amerikanischen Besatzungsbehörden, verkauft, andererseits kam es auch zu Plünderungen. Holz und Steine aus dem Lager wurden von der einheimischen Bevölkerung als Baumaterial verwendet. 

Nach der Übernahme des Lagerbereiches und der Steinbrüche durch die sowjetische Besatzungsmacht dienten die Lagerbaracken als Truppenunterkünfte. 

Die Reste des Krematoriumsofens mit Asbestabdeckung des Barackendaches, Aufnahme aus dem Jahr 1949. (Foto: Ministère de la Défense - Direction pour la Mémoire, le Patrimoine et les Archives)Die Reste des Krematoriumsofens mit Asbestabdeckung des Barackendaches, Aufnahme aus dem Jahr 1949. (Foto: Ministère de la Défense - Direction pour la Mémoire, le Patrimoine et les Archives)

Die Steinbrüche wurden von den Sowjets als deutsches Eigentum in Österreich beansprucht und als USIA Betrieb „Granitwerke Gusen“ bis 1955 weitergeführt.
Die Stollenanlagen wurden nach dem Abtransport der Maschinen und der Demontage der Installationen durch Sprengungen im November 1947 für eine etwaige weitere Produktion unbrauchbar gemacht. 
1955/56 wurde der von der US-Armee angelegte Opferfriedhof in Gusen exhumiert, einige der Häftlingsleichen wurden in ihre Heimatländer rücküberstellt, der Rest später auf dem Areal der Gedenkstätte Mauthausen beerdigt. 

Um den Krematoriumsofen entstand auf Betreiben ehemaliger französischer und polnischer Häftlinge eine inoffizielle Gedenkstätte mit Gedenktafel und Gedenkstein. 
 

Der von der US-Armee angelegte Opferfriedhof in Gusen, Datum der Aufnahme unbekannt. (Foto: Ministère de la Défense - Direction pour la Mémoire, le Patrimoine et les Archives)Der von der US-Armee angelegte Opferfriedhof in Gusen, Datum der Aufnahme unbekannt. (Foto: Ministère de la Défense - Direction pour la Mémoire, le Patrimoine et les Archives)Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen 1955 wurde das Lagergelände parzelliert und die Gemeinde Langenstein begann mit der Planung einer Wohnsiedlung. Der Krematoriumsofen sollte abgerissen, Gedenktafel und –stein nach Mauthausen gebracht werden.

Ende 1960 begannen ehemalige italienische Häftlinge Verhandlungen, um das Grundstück, auf dem die Reste des Krematoriums standen, zu erwerben. Sie kauften das Grundstück an und schenkten es der Gemeinde. 1961 stimmte die Gemeinde der Errichtung einer Gedenkstätte an diesem Ort zu. Verschiedene Häftlingsverbände brachten das Geld für die Errichtung des Memorials auf. Die Planung des Gedenkstättenbaues stammt von der italienischen Architektengruppe B.B.P.R. (Banfi, Belgiojoso, Peressutti und Rogers). Lodovico Belgiojoso war ein ehemaliger Gusen-Häftling, ein Gründungsmitglied der Gruppe – Gian Luigi Banfi – war im Konzentrationslager Gusen umgekommen. Das Memorial wurde am 8. Mai 1965 eingeweiht. 

Seit 1997 liegt die Verantwortung für die Erhaltung und Betreuung des Memorials beim Österreichischen Bundesministerium für Inneres. 2004 wurde das Besucherzentrum eröffnet, die Daueraustellung zur Geschichte des Lagers Gusen wurde im Herbst 2005 präsentiert.