Häftlinge

Häftlinge im KZ Gusen 1939 - 1945

Noch vor Errichtung des Lagers ab Dezember 1939 marschierten Arbeitskommandos von Mauthausen aus täglich zur Arbeit in die Gusener Steinbrüche. Für den Lageraufbau wurde in Mauthausen ein Baukommando bestehend aus deutschen und österreichischen, später auch polnischen Häftlingen zusammengestellt.

Ab Mitte April 1940 wurden die ersten Häftlinge vor Ort in Gusen untergebracht, am 25. Mai wurde das Lager schließlich offiziell eröffnet. Innerhalb nur weniger Monate wurden insbesondere aus Dachau sowie Sachsenhausen tausende polnische Häftlinge nach Gusen zum Arbeitseinsatz in den Steinbrüchen verlegt.

1941 blieb der Häftlingsstand trotz zahlreicher Neuzugänge, hauptsächlich Republikanischer Spanier und sowjetischer Kriegsgefangener, aufgrund der hohen Sterblichkeit relativ konstant. 1941 begannen die berüchtigten „Totbadeaktionen“ sowie die Transporte kranker Häftlinge in die Vernichtungsanstalt Hartheim.

1942 war der Großteil der Gusener Häftlinge zur Arbeit in den Steinbrüchen und dem Bau der dazugehörigen Einrichtungen wie Schleppbahn und Steinmetzhallen eingesetzt. Die anhaltend hohe Sterblichkeit führte zu einem Arbeitskräftemangel, dem durch Einlieferung weiterer sowjetischer Kriegsgefangener und Überstellungen polnischer Häftlinge aus Auschwitz begegnet wurde. Im Lauf des Jahres kamen als neue Häftlingsgruppen insbesondere Jugoslawen sowie zivile sowjetische Häftlinge und einzelne Franzosen ins Lager.

1943 begann die allmähliche Umstellung des Arbeitseinsatzes auf die Rüstungsproduktion. Dies brachte für manche Häftlinge Verbesserungen wie erhöhte Nahrungsmittelzuteilungen oder Arbeitsprämien. Weiterhin wurden aber systematische Massentötungen durchgeführt. Es gelangten erste größere Transporte von Franzosen, weitere sowjetische Zivilarbeiter und gegen Ende des Jahres auch Italiener nach Gusen.

1944 arbeitete die Mehrheit der Häftlinge in der Rüstungsindustrie. Die Bauprojekte zur unterirdischen Verlagerung der Rüstungsindustrie in Gusen und St. Georgen führte zu einem enormen Bedarf an Arbeitskräften. Im Verlauf des Jahres wuchs daher die Zahl der Häftlinge um mehr als das Dreifache an. Zur Unterbringung der im Stollenbau in St. Georgen eingesetzten Häftlinge – mehrheitlich jüdische Deportierte aus Polen und Ungarn – wurde im März das Lager Gusen II eröffnet. Das im Dezember eingerichtete Lager Gusen III in Lungitz diente Versorgungszwecken. Ab Jahresmitte kamen die ersten großen Transporte ungarischer Juden aus Auschwitz, später auch tausende polnische Juden nach Gusen. 

Ab Anfang 1945 trafen Transporte hauptsächlich jüdischer Häftlinge aus den liquidierten Lagern im Osten ein. In den vier Monaten bis zur Befreiung von Gusen gab es mindestens etwa 14.000 Neuzugänge, am 27. und 28. Februar zählte man jeweils den Höchststand von insgesamt 26.311 Häftlingen. Im selben Zeitraum starben an die 10.000 Gusener Häftlinge. Am 5. Mai erlebten mehr als 20.000 Häftlinge ihre Befreiung durch die US-Truppen.