Ungarische jüdische Häftlinge

Ankunft ungarischer Juden in Gusen im April 1945, Zeichnung des italienischen Überlebenden Lodovico Barbiano di Belgiojoso, o.J. (A.N.E.D., Mailand)Ankunft ungarischer Juden in Gusen im April 1945, Zeichnung des italienischen Überlebenden Lodovico Barbiano di Belgiojoso, o.J.Kurz nach der deutschen Besetzung Ungarns im März 1944 wurde ein Sonderkommando unter der Leitung von Adolf Eichmann mit der Durchführung der „Endlösung“ in Ungarn betraut. Die Mehrheit der jüdische Bevölkerung wurde zunächst ghettoisiert und in der Folge in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Im April 1944 genehmigte Hitler persönlich die Selektion von 100.000 Juden als Arbeitskräfte für die unterirdischen Verlagerungsbauten. Deren Tötung war damit vorübergehend aufgeschoben. 

Die ersten ungarischen Juden – insgesamt ca. 2.700 – gelangten mit mehreren Massentransporten aus Auschwitz zwischen Ende Mai und Mitte Juni 1944 nach Gusen. Sie waren als Arbeitskräfte zum Stollenbau in St. Georgen vorgesehen und wurden überwiegend im Lager Gusen II untergebracht. Im August und September 1944 trafen kleinere Transporte ungarischer Juden ein. Im Jänner 1945 gelangten ungarische Juden durch Evakuierungstransporte aus Auschwitz nach Gusen. 

Die Sterblichkeit innerhalb dieser Häftlingsgruppe war enorm hoch. In weniger als einem Jahr kamen mehr als 2.100 der insgesamt mindestens 3.500 ungarischen jüdischen Häftlinge in Gusen ums Leben oder wurden zur Vergasung nach Hartheim transportiert. Hunderte überstellte man zum Sterben nach Mauthausen.