"Kellerbau"

Unterirdische Stollenanlagen für die Rüstungsfertigung

„Gusen II: Der Tunnel“, Häftlinge beim Bau von unterirdischen Stollenanlagen. Zeichnung des französischen Häftlings Bernard Aldebert, o. J. [1945/46] (KZ-Gedenkstätte Mauthausen / Sammlungen)„Gusen II: Der Tunnel“, Häftlinge beim Bau von unterirdischen Stollenanlagen. Zeichnung des französischen Häftlings Bernard Aldebert, o. J. [1945/46] (KZ-Gedenkstätte Mauthausen / Sammlungen)1943 war es den alliierten Luftstreitkräften gelungen, der reichsdeutschen Flugzeugproduktion durch Bombenangriffe empfindliche Schäden zuzufügen, so am 13. August in Wiener Neustadt mit dem ersten Luftangriff auf die „Ostmark“. Aus diesem Grund sollte vor allem die Produktion von Jagdflugzeugen dezentralisiert und in bombensichere, unterirdische Anlagen verlegt werden. 

Am 17. August wurden auch die Messerschmitt-Werke in Regensburg schwer getroffen. Die Messerschmitt GmbH, die bereits im KZ Flossenbürg mit der SS kooperierte, verlagerte deshalb einen Teil der Produktion des Jagdflugzeugs „Me 109“, später auch der „Me 262“, in das Lager Gusen. 

Schon vor Himmlers Anordnung, in den Steinbrüchen der SS unterirdische Fabrikationsräume anzulegen, begann die DESt-Werksleitung im November 1943 in Gusen mit dem Bau der „Kellerbau“-Stollen. Unweit vom Steinbruch Kastenhof mussten Häftlinge des Lagers Gusen I ein großflächiges Tunnelsystem in den Berg treiben. Die Durchführung dieses Bauvorhabens war, anders als das später begonnene Projekt zur unterirdischen Rüstungsverlagerung in St. Georgen („Bergkristall“), schlecht geplant. Die Häftlinge mussten bei dieser Arbeit für den Steinbruch- und Steinbearbeitungsbetrieb vorgesehenes Arbeitsgerät verwenden. In der Folge kam es bei diesem Projekt häufig zu Arbeitsunfällen, zahlreiche Häftlinge kamen dabei zu Tode. 

Bis zu Kriegsende waren hier durch Häftlingsarbeit unterirdische Produktionsräume mit einer Fläche von beinahe 8.000 m² geschaffen worden. Neben der Messerschmitt GmbH Regensburg ließ hier auch die Steyr-Daimler-Puch AG KZ-Häftlinge in ihrem Auftrag Rüstungsgüter produzieren, zudem wurde ein Stollen von einem Forschungsinstitut der Technischen Hochschule Wien für aerodynamische Versuche genutzt.