Vergasung in den Häftlingsbaracken

Zeitungsausschnitt über den Prozess gegen Anton Slupetzky ("Tagblatt", Linz, 28.8.1947). Slupetzky wurde wegen der Beteiligung an der Ermordung von sowjetischen Kriegsgefangenen durch Zyklon B-Gas zu fünf Jahren Haft verurteilt.Zeitungsausschnitt über den Prozess gegen Anton Slupetzky ("Tagblatt", Linz, 28.8.1947). Slupetzky wurde wegen der Beteiligung an der Ermordung von sowjetischen Kriegsgefangenen durch Zyklon B-Gas zu fünf Jahren Haft verurteilt.Zwei Tötungsaktionen von Häftlingen durch Giftgas in den Baracken sind durch gerichtliche Aussagen belegt. Es gibt Hinweise auf weitere Vergasungen in Gusen, doch fehlen dazu entsprechende konkrete Dokumente und Zeugenaussagen. 

Nach dem Ausbruch von Flecktyphus wurde eine Lagerdesinfektion angeordnet. Häftlinge sowie der Firmeninhaber und ein Mitarbeiter der damit beauftragten Linzer Firma Slupetzky führten eine Entwesungsaktion in allen Baracken mit Zyklon B Gas durch. Die kranken sowjetische Häftlinge im Block 16 wurden während dieser Aktion am Verlassen der Baracke gehindert und durch das Gas erstickt. Ein Mitarbeiter der Desinfektionsfirma, Leopold Fischer, sagte im Prozess gegen den Firmeninhaber Slupetzky aus: 

"Wir hatten die Baracken nicht eigens untersucht. Für die Tatsache ob in den Baracken noch jemand war oder nicht, haben wir uns nicht besonders interessiert."

Am 20. April 1945 befahl der Lagerführer Seidler alle schwerkranken und arbeitsunfähigen Häftlinge in den Block 31 des Krankenreviers zu bringen und sie dort mit Gas zu töten. Der Kapo des Desinfektionskommandos Rudolf Fiegl führte vom 21. auf den 22. April 1945 die Vergasung in zwei Etappen durch. Die Opfer wurden an zwei Tagen als „verstorben“ gemeldet. Es sind entweder 684 oder 892 Häftlinge mittels Zyklon B Gas ermordet worden.