Unterirdische Rüstungsverlagerung

Stand der Fertigstellung von B 8 / „Bergkristall“. Der britische und amerikanische Geheimdienst bewertete „Bergkristall“ in einem Bericht über die unterirdischen Fertigungsstätten des Deutschen Reiches als “eine der vollständigsten und modernsten“. Dem Bericht ist außerdem eine im Ingenieurbüro Karl Fiebinger erstellte Übersicht über den Stand der Fertigstellung des Bauvorhabens „Bergkristall“ beigefügt. Dieser zeigt den extrem raschen Baufortschritt. Bis 30. November 1944 wurden 21.000 m² Fertigungsfläche fertiggestellt, bis 31. März 1945 49.300 m². (German Underground Installations, Part One: Unique Design and Construction Methods. CIOS Section Intelligence Division Office, Washington D.C.: Septem)Stand der Fertigstellung von B 8 / „Bergkristall“. Der britische und amerikanische Geheimdienst bewertete „Bergkristall“ in einem Bericht über die unterirdischen Fertigungsstätten des Deutschen Reiches als “eine der vollständigsten und modernsten“. Dem Bericht ist außerdem eine im Ingenieurbüro Karl Fiebinger erstellte Übersicht über den Stand der Fertigstellung des Bauvorhabens „Bergkristall“ beigefügt. Dieser zeigt den extrem raschen Baufortschritt. Bis 30. November 1944 wurden 21.000 m² Fertigungsfläche fertiggestellt, bis 31. März 1945 49.300 m². (German Underground Installations, Part One: Unique Design and Construction Methods. CIOS Section Intelligence Division Office, Washington D.C.: Septem)Schon seit Jahresbeginn 1943 existierten Pläne, Rüstungsbetriebe an bombensichere Standorte zu verlegen. Die alliierten Luftangriffe im Sommer 1943 zwangen Firmen wie NS-Behörden zu schnellen Gegenmaßnahmen. Bei der unterirdischen Verlagerung erlangte die SS durch den Einsatz von KZ-Häftlingen eine zunehmend wichtige Rolle. Ab 1944 dominierte der Bau unterirdischer Anlagen den Arbeitseinsatz von KZ-Häftlingen. 

Im Umfeld des KZ Gusen sollten zwei unterirdische Stollenanlagen gebaut werden. Ende 1943 begann unweit des Steinbruchs Kastenhof der Vortrieb der„Kellerbau“-Stollen, der allerdings auf geologische Schwierigkeiten stieß. Die 8.000 m² fertig gestellter Stollen dienten unter anderem der Produktion der Steyr-Daimler-Puch AG. und der Messerschmitt GmbH. Regensburg. Beim Bau der Anlage häuften sich Arbeitsunfälle, zahlreiche Häftlinge kamen dabei zu Tode. 

In St. Georgen begann die SS 1944 unter dem Decknamen B 8 / „Bergkristall“ eines der großen Stollen-Bauvorhaben der deutschen Kriegswirtschaft. Zweck der Errichtung dieser Stollenanlage war die unterirdische Verlagerung der Jagdflugzeugproduktion der Firma Messerschmitt. 

Am 2. Jänner 1944 wurden die ersten 272 Häftlinge nach "Gusen Bergkristall-Bau" überstellt. Dieses Datum markiert einen tiefgreifenden Wandel des KZ-Arbeitseinsatzes in Gusen. Zur Unterbringung der tausenden für das Bauvorhaben benötigten Häftlingen wurde der Barackenkomplex Gusen II errichtet. 

Die Durchführung des Stollenbaus erfolgte ab März 1944 unter der Leitung des SS-Sonderstabes Kammler, der mit der Durchführung von mehr als 20 derartigen Großbauten im Reichsgebiet beauftragt worden war. Hans Kammler, Leiter der Amtsgruppe C Bauwesen im SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt hatte sich bereits im Herbst 1943 bei der unterirdischen Verlagerung der Raketenfertigung „bewährt“, wo er die Bauprojekte ohne jegliche Rücksicht auf Gesundheit und Leben der KZ-Häftlinge vorangetrieben hatte. Diese Arbeitsweise sollte auch den Bau der Stollenanlage Bergkristall prägen, die zu einem Massensterben im Lager Gusen II führte. Die Planung der Stollenanlage oblag wie die meisten anderen Untertagebauvorhaben auf österreichischem Gebiet dem Ingenieurbüro Karl Fiebinger in Wien. 

Im August 1944 arbeiteten bereits 3.684 KZ-Häftlinge bei diesem Bauvorhaben, zeitweise waren mehr als 6.000 Häftlinge an der Baustelle eingesetzt. Nach Fertigstellung der ersten Stollen lief im Herbst 1944 die Produktion des Düsenjägers Me 262 der Messerschmitt GmbH. Regensburg an.