Lager für sowjetische Kriegsgefangene

Am 24. Oktober 1941 wird in Gusen das Lager für sowjetische Kriegsgefangene als eigene Organisationseinheit gegründet. Im Zusammenhang mit dem gegen die Sowjetunion geführten Vernichtungskrieg unterlag die Behandlung sowjetischer Kriegsgefangener verschärften Bedingungen. Viele wurden noch bei ihrer Gefangennahme exekutiert, andere zur Exekution in Konzentrationslager eingewiesen. Solche, die für den Arbeitseinsatz als nützlich angesehen wurden, überstellte man vielfach in Konzentrationslager, wo sie zwar formell als Kriegsgefangene geführt, jedoch den verschärften Bedingungen der KZ-Haft unterworfen wurden.

In Gusen wurden die Baracken 13-16 und 21-24 mit Stacheldraht umgeben und zum Sonderlager für sowjetische Kriegsgefangene umfunktioniert. Die sowjetischen Gefangenen standen an unterer Stelle der Lagerhierarchie, ihre Überlebenschancen im Lager waren dementsprechend gering. Im Zuge einer Typhusepidemie im Kriegsgefangenenlager im Herbst 1941 wurden kranke Häftlinge regelmäßig durch Herzinjektionen getötet. Auch wurden sie in systematischen Vergasungsaktionen wie etwa am 2. März 1942 im sogenannten „Isolierblock“ 16, ermordet. Der Rest wurde von der Lagerverwaltung zum Teil systematisch ausgehungert.

Im Frühjahr 1943 werden das Lager für sowjetische Kriegsgefangene als eigene organisatorische Einheit aufgegeben und dessen Häftlinge in den Stand des Konzentrationslagers übernommen. Zu diesem Zeitpunkt sind noch 143 von insgesamt an die 4.500 in das Kriegsgefangenenlager Gusen überstellten Häftlinge am Leben.