Rüstungsindustrie

Messerschmitt-Flugzeugrümpfe in Gusen (Foto: KZ-Gedenkstätte Mauthausen / Sammlungen)Messerschmitt-Flugzeugrümpfe in Gusen (Foto: KZ-Gedenkstätte Mauthausen / Sammlungen)Die zunehmende Dauer des Krieges und der Abzug der arbeitsfähigen männlichen Bevölkerung an die Front führte in Deutschland ab 1942 zu einem Arbeitskräftemangel, der nur zum Teil durch zivile Zwangsarbeiter aus den besetzten Gebieten gedeckt werden konnte. Für den Bedarf der Rüstungsindustrie wurden daher vermehrt auch KZ-Häftlinge als Arbeitskräfte herangezogen. 

Im Zuge eines Besuchs des Rüstungsministers Albert Speer im Außenlager Gusen am 29. März 1943 dürfte die Entscheidung für den künftigen Einsatz der Gusener Blick über die Industrieanlagen in Gusen; im Vordergrund die Hallen der SDPAG, im Hintergrund links das Häftlingslager sowie das abgebrannte Lager Gusen II und rechts einige Messerschmitt-Hallen. (Foto: NARA, College Park)Blick über die Industrieanlagen in Gusen; im Vordergrund die Hallen der SDPAG, im Hintergrund links das Häftlingslager sowie das abgebrannte Lager Gusen II und rechts einige Messerschmitt-Hallen. (Foto: NARA, College Park)KZ-Häftlinge für die Kriegswirtschaft gefallen sein. Speziell an der Rüstungsproduktion in Gusen ist, dass die verschiedenen Rüstungsbetriebe in der Umgebung des bestehenden Lagers Zweigstellen einrichteten, während es ansonsten die Regel war, dass an den Standorten der Rüstungsbetriebe speziell für deren Bedarf eigene Außenlager zur Unterbringung der Häftlinge errichtet wurden. 

Als erster Rüstungsbetrieb traf das Heereszeugamt Wien im Februar 1943 eine Vereinbarung mit der SS-Firma DESt, welche vorsah, dass KZ-Häftlinge direkt von der DESt zur Errichtung einer Fahrzeugwerkstätte „angemietet“ werden sollten. Bereits im Februar lief auch die Produktion der Steyr-Daimler-Puch AG (SDPAG) in Gusen an, welche im April 1943 schließlich auf eine vertragliche Basis gestellt wurde. Die DESt errichtete unter Häftlingseinsatz für die SDPAG 8 Fertigungshallen zur Produktion von verschiedenen Schusswaffen sowie Bauteilen für Flugzeugmotoren. Für die Produktion selbst, die am Ende insgesamt 18 Hallen zur Verfügung standen, wurden die Häftlinge seitens der SDPAG direkt von der SS-Lagerverwaltung „angemietet“. Ab September 1943 siedelt sich schließlich auch die Messerschmitt GmbH in Gusen an, um dort Flugzeuge des Typs Me 109, später – im unterirdischen Verlagerungsbetrieb „Bergkristall“ in St. Georgen – des Typs Me 262 herzustellen. Die DESt fungierte gemäß der Vereinbarung als Auftragnehmer von Messerschmitt, produzierte also unter Häftlingseinsatz auf eigene Rechnung und verkaufte die fertigen Produkte zu Fixpreisen weiter.

Angesichts der Tatsache, dass die DESt nur einen Minimalbetrag an die Verwaltung des Lagers für die Arbeitskraft der Häftlinge entrichtete, waren die Gewinne, die sie aus Einsatz und „Weitervermietung“ der Häftlinge erzielte, enorm. 
Für die Häftlinge brachte der Einsatz in der Rüstungsindustrie zunächst Verbesserungen in ihren Lebensbedingungen. Dem ziellosen Morden wurde aus wirtschaftlichen Erwägungen einigermaßen Einhalt geboten. Für manche Häftlingsgruppen wurde ein Prämiensystem eingeführt, welches ihnen den Erwerb bestimmter Artikel in der „Kantine“ oder einen Besuch im Häftlingsbordell ermöglichte. Dennoch war auch die Arbeit in der Rüstungsindustrie kräfteraubend und gefährlich, sechs Arbeitstage pro Woche zu je 11 Stunden zehrten weiterhin an den Kräften der Häftlinge, trotz einer sinkenden Todesrate starben weiterhin täglich Häftlinge in Gusen.