Archiv und Forschung

Aus dem KZ Mauthausen ist ein relativ großer Bestand an Originaldokumenten der Lagerverwaltung erhalten. Trotz der von der SS angeordneten Vernichtung der Dokumente des Massenmordes wurden zahlreiche bedeutende Quellen vor allem durch die Häftlinge selbst vor der Zerstörung bewahrt.

Nach der Befreiung wurden diese Dokumente in alle Welt verstreut. Als Beweismittel für die US-Militärgerichtsprozesse gelangte ein großer Teil in die USA. Andere wurden von Überlebenden des Lagers in ihre jeweiligen Herkunftsländer mitgenommen und gingen ein in die Bestände von National- und Regionalarchiven, von Überlebendenverbänden oder in Privatsammlungen.

Aufgabe und Ziel des Archivs der KZ-Gedenkstätte Mauthausen ist es, diese und andere, erst nach der Befreiung entstandene Quellen zur Geschichte des Lagers an einem Ort zu bündeln, zu sichern, zu katalogisieren und systematisieren sowie sie für die Öffentlichkeit als auch für das eigene Forschungsbestreben der Gedenkstätte zugänglich zu machen.

Das Archiv umfasst mehrere Teilsammlungen. Die Schriftgut-Sammlung beinhaltet – vorwiegend in Form von Digitalisaten, Mikrofilm- oder Papierkopien – verschiedenste Dokumente der NS-Zentralstellen und der Lagerverwaltung ebenso wie Dokumente der Nachkriegsgeschichte, darunter etwa Gerichts- und Ermittlungsakten gegen die Täter von Mauthausen, schriftliche Erinnerungsberichte von Überlebenden oder Akten zur Geschichte der KZ-Gedenkstätten in Österreich.

Kern der Oral-History-Sammlung sind die mehr als 800, in den Jahren 2002/2003 im Zuge des Mauthausen Survivors Documentation Project durchgeführten Interviews mit Überlebenden aus aller Welt. Dazu kommen im Laufe der Jahre individuell geführte Interviews sowie Kopien von Interviews aus großen internationalen Sammlungen wie jener des USC Shoah Foundation oder des Fortunoff-Archivs der Universität Yale. Ebenso Teil der Sammlung sind Interviews mit Augenzeugen aus dem regionalen Umfeld des Lagers sowie einzelne Interviews mit US-amerikanischen Befreiern.

Der historische Teil der Fotosammlung umfasst in kleinerem Ausmaß originale Negative bzw. Prints und eine große Zahl an historischen Motiven, sei es in digitaler Form oder auch als sekundäre Prints. Daneben wird auch die laufende Entwicklung der Gedenkstätte permanent fotografisch dokumentiert. Die Sammlung Arts & Artifacts umfasst dreidimensionale Objekte aus der bzw. mit Bezug zur Lagerzeit sowie zeitgenössische wie aktuelle Kunstobjekte mit thematischem Bezug. Die als Präsenzbibliothek zugängliche Fachbibliothek umfasst schließlich einen sich permanent erweiternden Bestand von Sekundärliteratur mit den Schwerpunkten Geschichte von Mauthausen und seinen Außenlagern, Geschichte des Nationalsozialismus sowie internationale Erinnerungskulturen und -politik.

Einen Überblick über die Bestände erhalten Sie über die Web-Datenbank des Archivs unter http://zadb.mauthausen-memorial.at/.