Gedenkstätte Loibl (Nord)

 

Loibltal
9163 Ferlach

 

Das Konzentrationslager Loibl Pass (Nord)

Dauer des Bestehens

2. Juni 1943 bis 15. April 1945

Zweck des Lagers / Arbeitseinsatz

Der Alpenpass am Loibl/Ljubelj ist als Verkehrsweg zwischen dem Deutschen Reich und dem Balkan von strategischer Bedeutung. Seit 1941/1942 wird an einem wintersicheren Straßentunnel gearbeitet. 1943 übernimmt die Universale Hoch- und Tiefbau AG das Bauprojekt. Die SS überlässt der Firma gegen Bezahlung KZ-Häftlinge als Arbeitskräfte, die sie in einem Nord- und einem Südlager unterbringt. Diese müssen den Tunnel ohne die üblichen Sicherheitsvorkehrungen vom Norden und vom Süden her in den Berg graben.

Der nördliche Tunnelzugang zur Baustelle, 1944 (SS-Foto, KZ-Gedenkstätte Mauthausen)Der nördliche Tunnelzugang zur Baustelle, 1944 (SS-Foto, KZ-Gedenkstätte Mauthausen)

 
 
 
 
 
 
 
 
Häftlinge

Insgesamt sind etwa 1.800 Häftlinge in beiden Lagern am Loiblpass inhaftiert. Im Juli 1944 erreicht die Zahl der Häftlinge im Nordlager mit 580 ihren Höchststand. Hier sind vor allem Polen, Sowjets und Jugoslawen inhaftiert. Die Arbeit ist hart. Es gibt kein Krankenrevier und somit so gut wie keine medizinische Versorgung. Regelmäßig enden Arbeitsunfälle tödlich. In beiden Lagern sterben insgesamt 40 Gefangene. 600 werden wegen Krankheit und Erschöpfung in das Stammlager zurücktransportiert.

Unterbringung

Neben dem Nordportal des Tunnels wird zunächst ein provisorisches Lager für wenige Häftlinge eingerichtet. Ab Herbst 1943 steht dort bereits ein Barackenlager für einige hundert Gefangene.

Das befreite Nordlager am Loibl, 26. Mai 1945 (Foto: British Army, Landry, KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Sammlung Janko Tišler)Das befreite Nordlager am Loibl, 26. Mai 1945 (Foto: British Army, Landry, KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Sammlung Janko Tišler)

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Bewachung

SS-Männer und Angehörige der Polizeisicherungskompanie bewachen die Häftlinge. Lagerführer der beiden Lager am Loiblpass ist zunächst SS-Obersturmführer Julius Ludolph. Nach Beschwerden ziviler Bauingenieure wird er durch SS-Obersturmführer Jakob Winkler ersetzt. Im Nordlager führt anfangs SS-Hauptscharführer Lemmen und später SS-Oberscharführer Paul Gruschwitz das Kommando. Wie im Südlager behandeln die Bewacher die Häftlinge auch hier äußerst brutal.

Auflösung / Evakuierung / Befreiung

Am 15. April 1945 schließt die SS das Lager nördlich des Loibls. Die Häftlinge werden in das Südlager gebracht.

Denkmal / Gedenkstätte

Der von den KZ-Häftlingen beinahe fertiggestellten Tunnel wird 1967 für den Verkehr eröffnet. 1995 errichtet das Mauthausen Komitee Kärnten/Koroška eine Gedenktafel am nördlichen Tunnelportal. 2008 pachtet das österreichische Innenministerium das ehemalige Lagergelände. Danach werden die überwucherten Fundamentreste freigelegt. Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen entwickelt in Kooperation mit Land Kärnten, Bundesdenkmalamt Kärnten und dem MKÖ Kärnten/Koroška ein Projekt zur Visualisierung des ehemaligen Häftlingslagers, das seit 2015 realisiert wird. 2018 werden zudem die Fundamentstreifen der Waschbaracke mit einem reversiblen Betonmantel abgedeckt, um die archäologischen Überreste vor Witterungsschäden zu schützen.

 

Die KZ-Gedenkstätte Loibl-Nord, 2016 (Foto: Stephan Matyus, KZ-Gedenkstätte Mauthausen)Die KZ-Gedenkstätte Loibl-Nord, 2016 (Foto: Stephan Matyus, KZ-Gedenkstätte Mauthausen)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die "Sarkophage" zum Schutz der Fundamentreste an der Gedenkstätte Loibl-Nord, 2018 (Foto: Stephan Matyus, KZ-Gedenkstätte Mauthausen)Die "Sarkophage" zum Schutz der Fundamentreste an der Gedenkstätte Loibl-Nord, 2018 (Foto: Stephan Matyus, KZ-Gedenkstätte Mauthausen)