KZ-Gedenkstätte Melk

 

Schießstattweg 2
3390 Melk
Tel: +43 676/7336400 
E-Mail: christian.rabl@melk-memorial.org

Öffnungszeiten

Der Besuch der KZ-Gedenkstätte Melk (Melk Memorial) ist jederzeit möglich.
Der Schlüssel für das Gartentor ist im Eingangsbereich der "Freiherr Karl von Birago Pionierkaserne", Prinzlstraße 22, bei der Wache - gegen Hinterlegung eines amtlichen Lichtbildausweises - entlehnbar.
 

Zeithistorisches Zentrum Melk

Das zeithistorische Zentrum Melk mit dem Historiker Dr. Christian Rabl an der Spitze, kümmert sich im Auftrag der KZ-Gedenkstätte Mauthausen um Verwaltung, Pflege und die Vermittlungsarbeit an der  KZ-Gedenkstätte Melk (Melk Memorial). Zu diesem Zweck werden unter anderem kostenlose Begleitungen in der KZ-Gedenkstätte Melk und am historischen KZ-Gelände (Biragokaserne) angeboten und laufend neue pädagogische Programme etwa für SchülerInnen und sonstige Interessengruppen (z.B. Grundwehrdiener) entwickelt. Außerdem widmet sich das Zeithistorische Zentrum Melk der Aufarbeitung zeitgeschichtlicher Themen, kooperiert mit zahlreichen lokalen und regionalen Organisationen in der Umgebung wie etwa dem Museum ERLAUF ERINNERT und organisiert kulturelle Veranstaltungen und gestaltet künstlerische Beiträge in Verbindung mit dem ehemaligen Verbrechensort der Nationalsozialisten in Melk. Besonders erwähnenswert ist dabei vor allem die gemeinnützige Initiative „Merkwürdig“ – eine Veranstaltungsreihe wider Vergessen und Gewalt.

Weitere Informationen finden Sie unter www.melk-memorial.org


Das Konzentrationslager Melk

Dauer des Bestehens

21. April 1944 bis 15. April 1945

Zweck des Lagers / Arbeitseinsatz

Ab Anfang 1944 errichtet der SS-Sonderstab Kammler gemeinsam mit der Quarz GesmbH, einer Tochter der Steyr-Daimler-Puch AG, eine 65.000 Quadratmeter große unterirdische Fabrik nahe Melk. Sie soll  der vor Luftangriffen sicheren Fertigung von Kugellagern, Flugmotoren und Panzern der Steyr-Daimler-Puch AG und der Flugmotorenwerke Ostmark, dienen, deren Produktion aus Steyr, Graz, St. Valentin und Wiener Neudorf nach Melk verlagert werden soll. Tausende Häftlinge werden beim Bau der Stollen und in der im Frühjahr 1945 beginnenden Kugellagerproduktion eingesetzt.

Zeichnung von Daniel Piquée-Audrain

 
 
 
 
 
 
 
Häftlinge

Insgesamt werden mehr als 14.000 KZ-Häftlinge nach Melk transportiert. Die meisten stammen aus Polen, Ungarn, Frankreich und der Sowjetunion. Juden stellen etwa ein Drittel der Gefangenen. Die Haftbedingungen sind katastrophal: Die Arbeit unter Tage ist extrem anstrengend, das Lager überbelegt, Verpflegung und medizinische Versorgung sind äußerst mangelhaft. 4.800 Häftlinge sterben im Lager. 1.440 Arbeitsunfähige werden in das Stammlager zurücktransportiert.

Unterbringung

Die Gefangenen werden in der Freiherr von Birago-Pionierkaserne in der Stadt Melk untergebracht. Sie müssen die Kasernenbauten um zusätzliche Baracken erweitern. Bis zu 10.000 KZ-Häftlinge drängen sich in den 18 Gebäuden. Zur Baustelle beim Wachberg in Roggendorf werden sie mit dem Zug transportiert. Ende 1944 wird wegen der großen Zahl von Toten ein eigenes Krematorium im Lager errichtet.

Das ehemalige Außenlager in Melk, Jänner 1948 (Fotograf/Fotografin unbekannt, USHMM)Das ehemalige Außenlager in Melk, Jänner 1948 (Fotograf/Fotografin unbekannt, USHMM)

 
 
 
 
 
 
 
Bewachung

Anfangs ist SS-Obersturmführer Anton Streitwieser Lagerführer. Ihm folgt SS-Obersturmführer Julius Ludolph. 500 im Herbst 1944 von der SS übernommene Soldaten der Luftwaffe bewachen die Häftlinge. Der SS-Krankenpfleger Gottlieb Muzikant ermordet Schwerkranke durch Herzinjektionen. Der von der Luftwaffe abkommandierte Lagerarzt Dr. Josef Sora setzt sich hingegen für das Wohl der Häftlinge ein.

Auflösung / Evakuierung / Befreiung

Zwischen dem 11. und dem 15. April 1945 räumt die SS das Lager vor der herannahenden sowjetischen Armee. Pläne, die Häftlinge in den Stollen durch Sprengung zu ermorden, werden nicht umgesetzt. In mehreren Gruppen werden die Gefangenen mit Schiff, Bahn und zu Fuß nach Mauthausen und in das Außenlager Ebensee transportiert. Mindestens 30 marschunfähige Häftlinge werden noch im Lager ermordet.

KZ-Häftlinge des Lagers Melk wurden vor der Evakuierung auf dem Appellplatz gesammelt, April 1945 (Fotograf unbekannt, USHMM)KZ-Häftlinge des Lagers Melk wurden vor der Evakuierung auf dem Appellplatz gesammelt, April 1945 (Fotograf unbekannt, USHMM)

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Denkmal / Gedenkstätte

Das ehemals drittgrößte KZ-Außenlager von Mauthausen wird ab 1950 wieder als Pionierkaserne genutzt. Anfang 1962 erklärt die Republik Österreich das ehemalige Lagerkrematorium zum öffentlichen Denkmal. Seit 1992 ist im Krematoriumsgebäude eine Ausstellung über die Geschichte des Lagers zu sehen.

Einweihung der KZ-Gedenkstätte Melk, 1963 (Fotograf*in unbekannt, KZ-Gedenkstätte Mauthausen)Einweihung der KZ-Gedenkstätte Melk, 1963 (Fotograf*in unbekannt, KZ-Gedenkstätte Mauthausen)