Mauthausen

17. Dialogforum: KZ-Gedenkstätte Gusen: Die Gestaltung eines neuen Erinnerungsortes – Beteiligung, Forschung, Vermittlung

20.09.2026

Rückblick

17. Dialogforum: KZ-Gedenkstätte Gusen: Die Gestaltung eines neuen Erinnerungsortes – Beteiligung, Forschung, Vermittlung
KZ-Gedenkstätte Mauthausen/ Markus Hechenberger

Am 18. und 19. September 2026 fand das 17. Dialogforum der KZ-Gedenkstätte Mauthausen unter dem Titel „Die Gestaltung eines neuen Erinnerungsortes – Beteiligung, Forschung, Vermittlung“ statt. Rund 100 Personen aus Wissenschaft, Gedenkstättenarbeit, Vermittlung und Zivilgesellschaft kamen zusammen, um sich über die Zukunft von Erinnerungsorten, im speziellen der zukünftigen KZ-Gedenkstätte Gusen, auszutauschen.

Der erste Tag widmete sich der Neugestaltung des ehemaligen KZ-Geländes in Gusen. Nach der Begrüßung wurde in einer Schweigeminute an Jean-Louis Roussel erinnert, der am 17. September unerwartet verstorben war. Roussel war Vizepräsident der französischen Amicale de Mauthausen und des Internationalen Mauthausen Komitees. Anschließend an diesen Moment wurden das Neugestaltungsprojekt und aktuelle Forschungsarbeiten der KZ-Gedenkstätte Mauthausen vorgestellt. In einer Podiumsdiskussion ging es um die besonderen Herausforderungen, die mit der Neugestaltung historisch belasteter Orte verbunden sind. Workshops und interdisziplinäre Rundgänge am Nachmittag beschäftigten sich mit regionaler Erinnerungskultur, zukünftiger kuratorischer und pädagogischer Arbeit sowie der Vermittlung von Biografien.

Am Abend des ersten Tages wurde der Dokumentarfilm „Botschafter des Erinnerns“ von Magdalena Żelasko gezeigt. Der Film porträtiert den Gusen-Überlebenden Stanisław Zalewski, der sich auch im Alter von 100 Jahren weiterhin als Zeitzeuge engagiert und letztes Jahr beim Dialogforum die KZ-Gedenkstätte Mauthausen besuchte. Im Publikumsgespräch erzählte die Regisseurin von der Entstehung des Films, von Zalewskis Lebensgeschichte und davon, welche Rolle solche persönlichen Zugänge für die Erinnerungsarbeit spielen.

Heute, am zweiten Tag der Veranstaltung, ging es um die unterschiedlichen Erfahrungen und Verfolgungsgeschichten verschiedener Häftlingsgruppen sowie um internationale Perspektiven auf die Geschichte und Zukunft von Gedenkorten. In parallelen deutsch- und englischsprachigen Panels wurde unter anderem über die Verfolgung homosexueller Menschen, von Jehovas Zeugen sowie von Roma und Sinti gesprochen. Weitere Beiträge beschäftigten sich mit Häftlingen österreichischer Herkunft, die als „asozial“ oder „kriminell“ verfolgt wurden. Auch die Perspektive des Wachpersonals wurde anhand historischer Quellen thematisiert.

Internationale Projekte aus Spanien, Österreich, Frankreich, Ruanda und Argentinien zeigten, wie unterschiedlich mit historisch belasteten Orten umgegangen werden kann. Sie gaben zudem Einblicke in neue Formen des Gedenkens und der Vermittlungsarbeit.

Das 17. Dialogforum bot somit Gelegenheit, über die weitere Gestaltung und Vermittlung des Erinnerungsortes Gusen zu diskutieren.

Vielen Dank an alle Vortragenden, Mitwirkenden und Teilnehmenden für ihre Beiträge und den gemeinsamen Dialog!