Der rationalisierte Massenmord

Zeichnung von Leo Haas: „Před krematoriem“ (Vor dem Krematorium), 1945 (Památnik Terezín)Zeichnung von Leo Haas: „Před krematoriem“ (Vor dem Krematorium), 1945 (Památnik Terezín)Seit Beginn des Krieges nutzten SS und Polizei die Konzentrationslager als Hinrichtungsorte für politische Gegner. In besonderem Maße galt das für die Konzentrationslager Mauthausen und Gusen. Beide waren im Jahr 1940 als Lager in die höchste „Stufe 3“ eingeordnet worden. In ihnen sollten Gefangene interniert werden, für die die härtesten Haftbedingungen vorgesehen waren. Viele wurden auch allein zur Hinrichtung nach Mauthausen und Gusen deportiert.

In Mauthausen erfolgten Erschießungen zunächst auf der Hinrichtungsstätte außerhalb des Lagerzauns. Ende 1941 wurde eine Genickschussanlage im Krematoriumskeller installiert. Auf diese Weise sollte der Vorgang der Exekution vereinfacht und rationalisiert werden. Im Herbst 1941 wurde in Mauthausen mit dem Bau einer Gaskammer begonnen, im März 1942 führte die SS die ersten Morde durch Giftgas aus. Die ersten Opfer der Gaskammer waren sowjetische Kriegsgefangene, die aus politischen Gründen zur Exekution aus Lagern der Wehrmacht in das KZ Mauthausen überstellt worden waren. In der Folge wurden vor allem Gruppen politischer Gegner in der Gaskammer ermordet, erst zu einem späteren Zeitpunkt auch kranke Häftlinge des Konzentrationslagers. Bis Kriegsende wurden mindestens 3.500 Gefangene in der Gaskammer von Mauthausen ermordet.

In Gusen hatte die SS keine eigene Gaskammer errichtet, jedoch sind auch für dieses Lager mindestens zwei Fälle von Vergasungen von kranken Häftlingen in Unterkunftsbaracken belegt, bei denen mindestens etwa 800 Personen getötet wurden. Zudem verkehrte in den Jahren 1942 und 1943 zwischen den Lagern Mauthausen und Gusen ein Gaswagen, in dem in diesem Zeitraum mindestens 900 kranke Häftlinge erstickt wurden.

Lt. Jack Taylor mit dem Gaseinfüllapparat der Gaskammer, Mai 1945 (Foto: US National Archives and Records Administration)Lt. Jack Taylor mit dem Gaseinfüllapparat der Gaskammer, Mai 1945 (Foto: US National Archives and Records Administration)Aufgrund der steigenden Zahl an Toten und Ermordeten ließ die SS ab 1940 sowohl in Mauthausen, als auch in Gusen und später in den Außenlagern Melk und Ebensee eigene Verbrennungsöfen installieren. Diese ermöglichten der SS nicht nur die rationelle Entsorgung der Leichen. Sie konnte damit auch die Spuren der Gewaltverbrechen an den Körpern der Toten verwischen.