Das Konzentrationslager Mauthausen 1938-1945

Das Konzentrationslager Mauthausen 1938-1945
Häftlinge beim Lagerappell, SS-Foto, zwischen 1942 und 1944 (Foto: KZ-Gedenkstätte Mauthausen / Sammlungen, Sammlung Claude García)

Am 12. März 1938 wurde der „Anschluss“ des austrofaschistischen Österreich an das Deutsche Reich vollzogen. Zwei Wochen später verkündete der nationalsozialistische Gauleiter Oberösterreichs, August Eigruber vor begeistertem Publikum, dass sein Gau mit der Errichtung eines Konzentrationslagers „ausgezeichnet“ werden sollte. Als Standort wurde der an der Donau gelegene Ort Mauthausen gewählt. Hier sollten politische Gegner und als kriminell oder asozial bezeichnete Personengruppen inhaftiert und zu Schwerstarbeit in den Granitsteinbrüchen gezwungen werden.

Häftlinge beim Transport von Steinen über die "Todesstiege", SS-Foto, zwischen 1942 und 1944 (Foto: KZ-Gedenkstätte Mauthausen / Sammlungen)Häftlinge beim Transport von Steinen über die "Todesstiege", SS-Foto, zwischen 1942 und 1944 (Foto: KZ-Gedenkstätte Mauthausen / Sammlungen)Am 8. August 1938 überstellte die SS die ersten Gefangenen aus dem KZ Dachau. Die in dieser Phase fast ausschließlich deutschen und österreichischen Häftlinge, allesamt Männer, mussten ihr eigenes Lager errichten und den Steinbruchbetrieb aufbauen. Hunger, Willkür und Gewalt prägten den Alltag der Gefangenen.

Ab Dezember 1939 ließ die SS ein zweites Konzentrationslager nur wenige Kilometer von Mauthausen entfernt errichten. Das Zweiglager Gusen ging im Mai 1940 offiziell in Betrieb.

Nach Kriegsbeginn wurden Menschen aus ganz Europa in das KZ Mauthausen verschleppt, das nun allmählich zu einem System von mehreren zusammenhängenden Lagern anwuchs. Mauthausen und Gusen waren in dieser Phase die Konzentrationslager mit den härtesten Haftbedingungen und der höchsten Todesrate. Häftlinge, die in der Lagerhierarchie ganz unten standen, hatten kaum eine Chance, längere Zeit zu überleben. Wer krank oder für die SS „unnütz“ war, befand sich in ständiger Todesgefahr. Ab 1941 baute die SS in Mauthausen eine Gaskammer und andere Einrichtungen zur systematischen Ermordung größerer Personengruppen.

In der zweiten Kriegshälfte wurden die Häftlinge, darunter erstmals auch Frauen, zunehmend zur Arbeit in der Rüstungsindustrie herangezogen. Zur Unterbringung der Gefangenen vor Ort errichtete die SS zahlreiche Außenlager. Auf diese wurden die neu ankommenden Gefangenen vom Hauptlager aus verteilt. Mauthausen selbst wurde immer mehr zu einem Sterbelager für Kranke und Schwache.

Da die Arbeitskraft der Gefangenen nun erhalten werden sollte, verbesserten sich kurzfristig die Lebensbedingungen. Ab Ende 1943 wurden sie auch beim Bau unterirdischer Fabriken, wie sie etwa in Melk, Ebensee und St. Georgen an der Gusen errichtet wurden, eingesetzt. Die dort herrschenden unmenschlichen Arbeitsbedingungen trieben die Opfer zahlen jedoch bald in neue Höhen.

Befreite Häftlinge verlassen das Lager, Mai 1945 (Foto: Sammlung Stephanie Soldner Sullivan)Befreite Häftlinge verlassen das Lager, Mai 1945 (Foto: Sammlung Stephanie Soldner Sullivan)

Gegen Kriegsende wurde das KZ Mauthausen zum Zielort für Evakuierungen aus frontnahen Lagern. In mehreren großen Transporten kamen zehntausende Häftlinge hierher. Überfüllung, mangelnde Versorgung und grassierende Krankheiten führten in den letzten Monaten vor der Befreiung zu einem Massensterben unter den Gefangenen.

Am 5. Mai 1945 erreichte die US-Armee Gusen und Mauthausen. Viele Häftlinge waren so geschwächt, dass sie noch in den Tagen und Wochen nach ihrer Befreiung starben. Von den insgesamt etwa 190.000 Gefangenen des KZ Mauthausen und seiner Außenlager waren in sieben Jahren mindestens 90.000 zu Tode gekommen.