Häftlingsgruppen

"Kennzeichen für Schutzhäftlinge" (Abbildung: International Tracing Service, Bad Arolsen)"Kennzeichen für Schutzhäftlinge" (Abbildung: International Tracing Service, Bad Arolsen)In der Anfangszeit waren im KZ Mauthausen nur deutsche und österreichische Männer inhaftiert. Die SS kennzeichnete diese Häftlinge nach dem jeweiligen Grund für die Einweisung ins KZ. Verschiedenfarbige Winkel und Buchstabenkürzel machten die Gefangenen entsprechend der nationalsozialistischen Ideologie als Kriminelle (Kategorie „Berufsverbrecher“), Asoziale, politische Gegner ( „Schutzhaft“), Emigranten, Zeugen Jehovas („Bibelforscher“), Homosexelle („§ 175“), Juden, als Roma und Sinti („Zigeuner“), Wehrmachtsangehörige, Justizhäftlinge oder „Zivilarbeiter“ kenntlich.

Diese Kennzeichnung mussten die Gefangenen sichtbar auf ihrer Uniform tragen, sie bestimmte dadurch auch deren Überlebenschancen. Mit der Kategorie war der Grad der Terrorisierung durch die SS, eine bessere oder schlechtere Unterbringung oder die Aussicht auf einen privilegierten Posten im Lagerbetrieb verbunden. Als „Juden“ Markierte hatten die geringsten Überlebenschancen. Häftlinge der Kategorie „Sicherungsverwahrung“ – Justizhäftlinge, die ab 1942 in das KZ Mauthausen gelangten – wurden meist ebenso innerhalb kürzester Zeit ermordet. Hingegen konnten Kriminelle vor allem in der ersten Kriegshälfte leichter eine Stellung als Funktionshäftling erlangen. Mit der Einteilung der Deportierten in Kategorien und der unterschiedlichen Behandlung förderte die SS Rivalitäten zwischen einzelnen Häftlingsgruppen.

Nach dem Überfall auf Polen und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden aus den eroberten Gebieten Menschen in die Konzentrationslager im Reich transportiert. Die Zusammensetzung der Häftlingsgesellschaft wurde dadurch zunehmend international. 

Ankunft sowjetischer Kriegsgefangener auf dem Appellplatz von Mauthausen, SS-Foto, Oktober 1941 (Foto: KZ-Gedenkstätte Mauthausen / Sammlungen)Ankunft sowjetischer Kriegsgefangener auf dem Appellplatz von Mauthausen, SS-Foto, Oktober 1941 (Foto: KZ-Gedenkstätte Mauthausen / Sammlungen)Die KZ-Gefangenen mussten nun neben der Haftkategorie auch ihre nationale Herkunft sichtbar auf ihrer Uniform tragen. Auch die Kennzeichnung nach Nationalität bestimmte die Überlebenschancen im KZ maßgeblich. Häftlinge mit slawischer Muttersprache waren im KZ wesentlich schlechter gestellt als solche aus Nordeuropa. Kriegsgefangene aus der Sowjetunion etwa konnten im KZ in der Regel nur kürzeste Zeit überleben. In dieser Einstufung nach nationalen Kriterien waren aber auch Veränderungen möglich. Wurden die vor Franco geflohenen republikanischen Spanier zunächst gezielt ermordet, so konnten sie nach dem Eintreffen neuer, noch stärker angefeindeter Häftlingsgruppen in der Lagerhierarchie aufsteigen und schließlich wesentlich bessere Überlebenschancen erlangen.

Zwischen 1938 und 1945 waren etwa 190.000 Personen aus mehr als 40 verschiedenen Nationen im KZ Mauthausen/Gusen und in seinen Außenlagern inhaftiert. Mindestens 90.000 kamen in diesen Lagern ums Leben.

Video: Deportationen nach Mauthausen im Kriegsverlauf