Zwangsarbeit in den Steinbrüchen

Die Wahl der Standorte Mauthausen und Gusen für die Errichtung neuer Konzentrationslager stand in engem Zusammenhang mit dort bestehenden Granitsteinbrüchen. Ab Ende der 1930er Jahre verband die SS die Errichtung neuer Lager mit dem Einstieg in die Baustoffindustrie. Die Arbeitskraft der KZ-Häftlinge sollte bei der Herstellung von Ziegeln und Steinen für Hitlers monumentale Bauprojekte ökonomisch ausgebeutet werden. Im April 1938 hatte die SS-Führung dafür das Unternehmen „Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH“ (DESt) gegründet.

Werbeplakat der Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH, zwischen 1940 und 1945 (Archiv der Zeugen Jehovas, Selters/Taunus)Werbeplakat der Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH, zwischen 1940 und 1945 (Archiv der Zeugen Jehovas, Selters/Taunus)In Mauthausen betrieb die SS einen, in Gusen drei Steinbrüche. Vor allem wollte sie Granitsteine für den Ausbau der „Führerstadt“ Linz produzieren lassen. Die „Granitwerke Mauthausen“ sollten sich in der Folge zur größten und ertragreichsten Niederlassung der DESt entwickeln.

Im Jahr 1942 arbeiteten in den KZ-Steinbrüchen in Mauthausen und Gusen mehr als 3.300 Häftlinge. Sie unterstanden dabei einem SS-Kommandoführer und wurden von Mithäftlingen, sogenannten Kapos, zur Arbeit angetrieben. Auch zivile Vorarbeiter waren in den KZ-Steinbrüchen beschäftigt und für die technische Überwachung der Häftlingsarbeit zuständig.

Für die Gefangenen betrug die tägliche Arbeitszeit mindestens 11 Stunden im Sommer und etwa 9 Stunden im Winter. Gearbeitet wurde bei jedem Wetter. Die Arbeit war kräfteraubend. Die Häftlinge mussten zunächst Steinblöcke von Hand oder Mittels Sprengungen vom Fels spalten, danach zerkleinern und abtransportieren.

Misshandlung im Steinbruch, Zeichnung von Tomás Jiménez Santos, zwischen 1946 und 1948 (Paul Jimenez)Misshandlung im Steinbruch, Zeichnung von Tomás Jiménez Santos, zwischen 1946 und 1948 (Paul Jimenez)Die Steinbrüche von Mauthausen und Gusen waren gleichermaßen Orte der Zwangsarbeit und Stätten der Vernichtung. Während einerseits in den Steinbrüchen ein permanenter Mangel an Facharbeitern herrschte, wurden dort gleichzeitig viele Häftlinge systematisch zu Tode geschunden. Verschärfte Strafarbeit und gezielte Mordaktionen waren an der Tagesordnung. Häftlinge wurden etwa wegen nichtiger Anlässe und geringster Verstöße gegen die Lagerordnung zur Arbeit in die Strafkompanie eingeteilt. Dort mussten sie bis zu 50 kg schwere Granitsteine mit einer Holztrage auf dem Rücken zu den Baustellen des Lagers transportieren. Der Marsch über die Steinbruchstiege war von Schlägen durch das Wachpersonal begleitet. Angehörige der Strafkompanie überlebten meist nur kurze Zeit. In den Jahren 1941 und 1942 wurden vor allem holländische Juden von SS und Kapos von der Steinbruchkante aus in den Tod gestoßen, was in den offiziellen Lagerdokumenten als „Freitod durch Sprung in die Tiefe“ ausgewiesen wurde. Die SS nannte die auf diese Weise getöteten Häftlinge zynisch „Fallschirmspringer“.