Die neuen Sammlungsdatenbanken der KZ-Gedenkstätte Mauthausen
27.01.2026
Mit dem Relaunch der Sammlungsdatenbanken wurde ein Meilenstein bei der Digitalisierung der Sammlungen der KZ-Gedenkstätte Mauthausen gesetzt. Ab nun können ohne Registrierungsbarriere Informationen aus den Sammlungsbereichen Schriftgut, Fotografie, Oral History, Artefakte und Bibliothek unter collections.mauthausen-memorial.org abgerufen werden. Das Online-Angebot löst die bisherige „Zentrale Archivdatenbank“ ab. Deren Inhalte wurden in das neue Datenbanksystem migriert oder zum Teil grundlegend überarbeitet. Zudem wurden zahlreiche Datenbanken, die bisher nur vor Ort benutzt werden konnten, in die neuen Online-Datenbank integriert.
Die Schriftgutsammlung wurde um umfangreiche Bestände erweitert. So sind nun die Metadaten zu tausenden Akten aus der Verwaltung der KZ-Gedenkstätte, beginnend mit 1947, online auffindbar. Zusätzlich zu den Metadaten wurden in vielen Fällen digitalisierte Dokumente, Zeichnungen und Pläne integriert. Die Bilddateien liefern so eine genauere Vorstellung vom jeweiligen Sammlungsgut.
Die Datenbank über die Fotosammlung der KZ-Gedenkstätte Mauthausen wurde grundlegend überarbeitet. Sie bietet nun ebenfalls ohne Registrierungsbarriere Voransichten auf die digitalisierten Fotografien. Das Angebot wurde um bedeutende Bestände wie die des US-Army Soldaten Paul E. Soldner, der KZ-Überlebenden Jerzy Ginter oder Antonio Garcia sowie um die Fotografien der KZ-
Gedenkstätte Mauthausen aus den Jahren 1947/48 aus dem Bestand der Burghauptmannschaft Österreich erweitert.
Von der Oral History-Sammlung mit mehr als 1.000 Interviews sind die Metadaten mit geografischer Verschlagwortung durchsuchbar. Das neue Datenbanksystem ermöglicht, dass in Zukunft auch Audio- bzw. Videodateien online zugänglich gemacht werden können.
Im Zuge des Relaunches wurde das Angebot um mehrere Datenbanken erweitert. Dazu zählt die Datenbank „Erinnerungszeichen“, die individuelle und kollektive Gedenktafeln für die im KZ-Komplex Mauthausen/Gusen Ermordeten dokumentiert. Ebenfalls neu ist ein Index zu den Kriegsverbrecherprozessen der U.S. Army zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau. Diese Forschungsdatenbank fasst die Prozessunterlagen inhaltlich zusammen und erschließt sie über Schlagworte.
Ein weiterer zentraler Bestandteil sind die sogenannten „Namenslisten“, die Metadaten zu rund 22.000 Einträgen enthalten. Diese umfassen unter anderem Häftlingslisten des KZ Mauthausen/Gusen und seiner Außenlager, Transportlisten, Todesmeldungen sowie Fluchtmeldungen.
Die Datenbank zur Artefakte-Sammlung konnte im Zuge des Datenbanken-Relaunches um zahlreiche neu digitalisierte Artefakte erweitert werden, unter anderem um 600 archäologische Funde aus den ehemaligen Konzentrationslagern Gunskirchen, Mauthausen und Gusen, die im Zuge des Drittmittelprojektes „Kulturerbe digital“ des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport mit Mitteln der Europäischen Union/Next Generation, digitalisiert und inventarisiert wurden.
Die Bibliotheksdatenbank, die aktuell mehr als 22.000 Einträge umfasst, ergänzt das digitale Angebot. Bücher, graue Literatur sowie Zeitungsausschnitte sind darin verzeichnet und online recherchierbar.
Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen ist bestrebt, mit der neuen Datenbank möglichst viel Material online zugänglich zu machen. Gesetzliche Rahmenbedingungen wie Datenschutz, Urheberrecht oder das Archivgesetz schließen die Veröffentlichung bestimmter Sammlungsgegenstände aber aus. Zudem wurden sogenannte Atrocity Pictures, also dokumentarische Fotografien nationalsozialistischer Verbrechen oder auch Bilder, die die Würde der abgebildeten Deportierten etwa durch Nacktheit verletzen, nicht öffentlich zugänglich gemacht. In der öffentlich einsehbaren Datenbank werden diese Inhalte durch einen „Sensitive Image“-Platzhalter ersetzt.
Wenngleich viele Jahre Arbeit in den Relaunch der Sammlungsdatenbanken geflossen sind, so ist das Projekt damit noch nicht abgeschlossen. Sukzessive werden neu inventarisierte Bestände ergänzt und weiter Bild- und Audiodateien hochgeladen werden. Die neue Datenbank ermöglicht in weiterer Folge auch die Anbindung an das österreichische Suchportal kulturpool sowie an die europeana-Datenbank.
