Edith Eva Eger (1927–2026)
28.04.2026
Nachruf
„Sie können nicht ändern, was geschehen ist, Sie können nicht ändern, was Sie getan haben oder was Ihnen angetan wurde. Aber Sie können wählen, wie Sie jetzt damit leben.“
Edith Eva Eger 2017 in ihrem Buch „The Choice“ (dt. Titel „Ich bin hier, und alles ist jetzt“)
Gestern, am 27. April 2026, ist die Holocaustüberlebende Edith Eva Eger im Alter von 98 Jahren verstorben. Sie wurde 1927 in Košice geboren. 1944 wurde sie gemeinsam mit ihrer Familie nach Auschwitz deportiert, wo ihre Eltern ermordet wurden. Sie selbst wurde später in das Konzentrationslager Mauthausen überstellt und gegen Kriegsende auf einen Todesmarsch gezwungen, der im Außenlager Gunskirchen endete. Über diese Erfahrung schrieb sie: „Es gibt immer noch eine schlimmere Hölle. Das ist unsere Belohnung dafür, dass wir leben. Als wir zu marschieren aufhören, sind wir im Lager Gunskirchen. [...] Es ist kein Vernichtungslager. Hier gibt es keine Gaskammern, keine Krematorien. Aber es besteht kein Zweifel, dass wir zum Sterben hierher geschickt worden sind.“ In Gunskirchen erlebte sie mit ihrer Schwester im Mai 1945 die Befreiung.
Nach 1945 kehrte sie zunächst nach Košice zurück, gründete mit Béla Eger eine Familie und emigrierte später in die USA. Dort studierte sie Psychologie und arbeitete viele Jahre als Therapeutin, wobei sie sich auf die Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen fokussierte. Sie war unter anderem an der University of California, San Diego tätig und hielt international Vorträge über ihr Über- und Weiterleben.
Mit ihren Büchern „The Choice: Embrace the Possible“ (dt. Titel „Ich bin hier, und alles ist jetzt“) und „The Gift: 12 Lessons to Save Your Life“ (dt. Titel „Das Geschenk: 12 Lektionen für ein besseres Leben“) die beide zu Bestsellern wurden, machte sie ihre Erfahrungen und ihre therapeutischen Ansätze einem breiten Publikum zugänglich.
Edith Eva Eger hat über Jahrzehnte hinweg ihre Geschichte geteilt und damit einen unschätzbaren Beitrag zur Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen sowie zu Fragen von Trauma und Verarbeitung geleistet.