Entwicklungen am Areal des ehemaligen KZ Hirtenberg
09.07.2026
KZ-Gedenkstätte Mauthausen appelliert erneut
Wie aktuellen internationalen Medienberichten zu entnehmen ist, schreitet die Überbauung der verbliebenen Fundamentreste des ehemaligen KZ Hirtenberg in Niederösterreich voran.
Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen/Mauthausen Memorial hatte sich seit Bekanntwerden der Pläne gegen die umstrittene Verbauung des einstigen KZ-Areals positioniert und gemeinsam mit dem Mauthausen Komitee Österreich folgendes Statement mit der Lokalinitiative KZ-Gedenkstätte Mauthausen-Außenlager Hirtenberg veröffentlicht:
Darin wurde davor gewarnt, dass eine Bebauung unwiederbringlich die letzten historischen Überreste des KZ zerstören und ein würdiges Gedenken an die Opfer verunmöglichen würde.
Es gilt deshalb den Schutz für die baulichen Lagerreste als wichtige Lern- und Erinnerungsquellen einzufordern und diese entsprechend zu bewahren. Nur so kann ein Grundstein für eine glaubhafte Aufarbeitung erfolgen und eine Bewusstseinsbildung für die Übernahme der historischen Verantwortung passieren, die auch international Beachtung findet.
Die nun fortschreitende Bebauung des Areals durch Gewerbehallen steht im vollkommenen Gegensatz zu diesem Ansinnen.
Das Gelände befindet sich heute in der Gemeinde Leobersdorf. Ungeachtet der Proteste gegen das Vorhaben, hier Gewerbehallen zu errichten, und mehrerer Gespräche mit dem Gemeinderat schreiten die Baumaßnahmen am ehemaligen KZ-Areal voran. Künftig soll hier nichts mehr an die Geschichte des Ortes erinnern. Stattdessen entstehen Hallen für Kühl- und Tiefkühllogistik, die täglich von hunderten Lastwägen frequentiert werden.
Im KZ Hirtenberg wurden zwischen September 1944 und April 1945 rund 400 Frauen und Mädchen (der Altersdurchschnitt lag bei 23 Jahren) gefangen gehalten und mussten lebensgefährliche Zwangsarbeit in der Munitionsfabrik leisten. Nach der Auflösung des Lagers wurden die Häftlingsfrauen in einer Marschkolonne nach Mauthausen geführt und einige von ihnen dabei getötet.
Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen appelliert an die künftigen Nutzer*innen der entstehenden Hallen: Sie sollen sich des Unrechts, das an diesem Ort verübt wurde, bewusst sein. Die Frauen, die hier gequält wurden, sind nicht vergessen, und die Augen der Öffentlichkeit werden weiterhin auf die Entwicklungen auf dem Areal des Konzentrationslagers gerichtet sein.