Mauthausen

Heinz Salvator Kounio (1927–2026)

17.04.2026

Nachruf

Heinz Salvator Kounio (1927–2026)
Foto: ZME

Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen trauert um Heinz Salvator Kounio (1927–2026), einen der letzten Überlebenden der Shoah und ehemaligen Häftling der KZ-Außenlager Melk und Ebensee.

Kounio wurde 1927 geboren und wuchs in Thessaloniki auf. Mit der deutschen Besatzung 1941 begann die systematische Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. 1943 wurde Kounio gemeinsam mit seinen Eltern und seiner Schwester nach Auschwitz deportiert. Dass sie überlebten, verdankten sie unter anderem ihrer Kenntnis der deutschen Sprache, denn sie wurden von der SS als Übersetzer eingesetzt.

Nach der Evakuierung von Auschwitz im Jänner 1945 wurde Heinz Kounio gemeinsam mit seinem Vater Salvator in das KZ Mauthausen deportiert, kam von dort in das Außenlager Melk und wurde schließlich in das Außenlager Ebensee überstellt. Er musste unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten. Als das Lager im Mai 1945 von US-amerikanischen Truppen befreit wurde, wog Kounio nur noch 36 Kilogramm.

Nach dem Krieg kehrte er nach Thessaloniki zurück und wurde zu einer wichtigen Stimme der Erinnerung. In seiner 1981 erstmals veröffentlichten Autobiografie „Ein Liter Suppe und 60 Gramm Brot“ hielt er seine Erfahrungen fest. Über Jahrzehnte hinweg setzte er sich unermüdlich dafür ein, die Erinnerung an die nahezu vollständig ausgelöschte jüdische Gemeinde seiner Heimatstadt wachzuhalten. Mit großer Beharrlichkeit sammelte er die Namen der Opfer und übergab 2007 eine Liste von über 37.000 Ermordeten an die jüdische Gemeinde Thessaloniki und an Yad Vashem. Er präsentierte sein Erinnerungsbuch 2016 im Zeitgeschichte Museum in Ebensee. 

Heinz Kounio hat mit seinem jahrzehntelangen Engagement wesentlich dazu beigetragen, die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus wachzuhalten.