KZ-Gedenkstätte Mauthausen: Jahresbericht 2018

29.10.2019

KZ-Gedenkstätte Mauthausen: Jahresbericht 2018

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KZ-Gedenkstätte Mauthausen: Jahresbericht 2018


Liebe Leserinnen und Leser,

vor Ihnen liegt unser Jahresbericht 2018, der erste seiner Art. Von nun an werden wir Sie jährlich in dieser Form über unser Jahr, unsere Arbeit, Publikationen und Fortschritte informieren. Ich wünsche Ihnen hier schon einmal viel Interesse beim Lesen.

Doch bevor Sie damit beginnen möchte ich auf ein weiteres Dokument hinweisen, welches 2018 seine Geburtsstunde feierte. Uns, und damit meine ich die gesamte Vertreterschaft der Erinnerungskultur in Österreich, gelang gemeinsam die Fertigstellung des ersten „Gedenkstätten Konzepts“. Es soll die Pläne und Ziele der KZ-Gedenkstätte Mauthausen in allen relevanten Bereichen für die nächsten fünf Jahre vorgeben. Die historische Bedeutung dieses Konzepts liegt aber nicht in seinen Inhalten, sondern im neuartigen Entstehungsprozess dahinter. Es wurde mit den beiden Beiräten, dem Kuratorium, sowie allen relevanten Organisationen, national wie international, konferiert und diskutiert, wohin wir mit der Gedenkkultur in Österreich wollen. Dieses Konzept wir von all jenen getragen, die einen Anteil an der Bewahrung der österreichischen Erinnerungskultur verantworten, etwas zur Aufarbeitung unserer Geschichte beitragen oder selbst unter ihr gelitten haben.

Warum ist das so wichtig? Die Verbrechen, die an diesem Ort passiert sind, waren Ausdruck eines Systems, das auf der Unterdrückung der Schwachen durch die Starken basierte. Ein System, in dem nicht Interessenaustausch und Konsens entschieden, sondern die wahnwitzige Willkür und perfide Ideologie einzelner. Faschismus und demokratischer Konsens sind einander Widersprüche und deshalb ist es so zentral, dass gerade über die Zukunft dieses historischen Mahnmals nicht übereinander hinweg entschieden wird. Dieser Ort hat für alle diese Organisationen verschiedene und vielschichtige Bedeutungen, aber sie alle eint die tiefe Überzeugung, dass sich der Faschismus in Europa nicht wiederholen darf.

„Man braucht nicht immer denselben Standpunkt zu vertreten, denn niemand kann einen daran hindern, klüger zu werden.“ – Konrad Adenauer.

Zwei weitere wichtige Ziele die wir im Jahr 2018 erreichten, war der Umzug in unsere neuen Räumlichkeiten in der Argentinierstrasse und die Parlamentsveranstaltung „gegen Gewalt und Rassismus, im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus“ rund um den Befreiungstag des ehem. KZ-Mauthausen. Beides waren maßgebliche Entwicklungen für uns und beides planen wir nun zu langfristigen Projekten weiter zu entwickeln. Unsere Räumlichkeiten werden wir in den nächsten Jahren zu einer Institution wandeln, die allen Interessierten, jederzeit für Veranstaltungen, Recherche, und Vor- wie Nachbereitungen auf ihren Besuch in Mauthausen offensteht. Die Parlamentsveranstaltung, bei der letztes Jahr fünf jugendliche Schriftsteller ihre Gedanken zu fünf Biografien von ehemaligen Häftlingen vorstellten, wird dieses Jahr eine Fortsetzung erfahren. Der Austausch und die gemeinsame Reflexion über Vergangenes und Gegenwertiges, mit den zukünftigen Entscheidungsträgern unseres Landes, hat meinem Team und mir stets großen Mehrwert gebracht. Ich bin davon überzeugt, das wird er auch zukünftig.

Ihre Barbara Glück
Direktorin KZ-Gedenkstätte Mauthausen / Mauthausen Memorial