Konzentrationslager mitten in der Stadt

02.04.2021

Anfang April 1945 konnte man auf den Straßen in und um Wien mehrere Tausend KZ-Häftlinge beobachten, die in großen Kolonnen brutal Richtung Oberösterreich getrieben wurden. Diese Menschen waren zuvor in Außenlagern des Konzentrationslagers Mauthausen in Floridsdorf, Simmering, der Hinterbrühl bei Mödling, Schwechat und Wiener Neudorf inhaftiert gewesen.

Konzentrationslager mitten in der Stadt
Standorte der Außenlager des KZ Mauthausen in und um Wien (Karte: Google Maps)

Treibende Kräfte für die Errichtung dieser Lager in den Jahren von 1943 bis 1944 waren in den meisten Fällen große Industriebetriebe. Sie gehörten zur Luftfahrtindustrie wie die Heinkel-Werke und die Flugmotorenwerke Ostmark oder produzierten andere kriegswichtige Güter. Die Akkumulatoren-Fabrik AG (AFA-Werke) stellte Batterien für U-Boote her, die Saurerwerke AG unterschiedliche militärische Fahrzeuge. Der stetig steigende Bedarf an Arbeitskräften dieser Betriebe sollte durch die Ausbeutung von KZ-Häftlingen aus Mauthausen gedeckt werden. Um sie unterzubringen, wurden meist in unmittelbarer Nähe der Betriebsgelände Barackenlager errichtet. Diese glichen mit Stacheldrahtzäunen, Wachtürmen und Baracken in vielen Details dem Hauptlager in Mauthausen, wenn auch in kleinerer Dimension. In diesen KZ-Außenlagern waren je nach Standort zwischen einigen Hundert bis zu rund 4000 Menschen aus fast ganz Europa inhaftiert. Manche befanden sich direkt in oder unmittelbar neben dem bewohnten Stadtgebiet.

Einen Sonderfall bildete ein aus fünf Häftlingen bestehendes Arbeitskommando des Försters und esoterischen Naturforschers Viktor Schauberger in Schönbrunn. Die SS stellte ihm zuerst im Hauptlager Mauthausen und dann in der Fasangarten-Kaserne in Schönbrunn ein Labor sowie Häftlinge zur Verfügung. Die Gefangenen wurden in dem Kommando vergleichsweise gut behandelt.

In den Lagern für die großen Industriebetriebe ähnelten die Haftbedingungen hingegen meist jenen im Hauptlager Mauthausen. Vonseiten der Firmen gab es kaum Bemühungen, die Situation der Gefangenen zu verbessern. Die Haftbedingungen und der rücksichtslose Arbeitseinsatz führten bis zum Zeitpunkt der Schließung der Außenlager in Wien zum Tod von mehreren hundert Häftlingen.

Um die Befreiung der Gefangenen durch die sowjetische Armee zu verhindern, ließ die SS die Lager Ende März/Anfang April 1945 schließen und trieb die Häftlinge meist zu Fuß nach Oberösterreich. Bei der Räumung dieser Außenlager und am Weg Richtung Mauthausen, Gusen und Steyr tötete die SS kurz vor Ende des Kriegs erneut mehrere Hundert Häftlinge – meist wenn diese zu krank oder entkräftet waren, um weiterzugehen. Im Außenlager Hinterbrühl etwa ermordete die SS vor dem Abmarsch noch 52 kranke Häftlinge und ließ sie auf dem Lagergelände verscharren.

Nach dem Krieg gerieten die Wiener Außenlager weitgehend in Vergessenheit. Die in diesen Lagern begangenen Verbrechen wurden nach 1945 bis auf Ausnahmen kaum gerichtlich verfolgt. Das letzte Gerichtsverfahren gegen zwei SS-Angehörige im Zusammenhang mit den Lagern um Wien wurde 1993 in Duisburg geführt. Zwei SS-Angehörige waren wegen der Erschießung von Häftlingen des Außenlagers Wiener Neudorf angeklagt. Einer der beiden wurde freigesprochen, der zweite erhielt wegen Beihilfe zum Mord zwei Jahre auf Bewährung. Erst in den 1980er-Jahren gründeten sich lokale Gedenkinitiativen, die sich auch heute noch um die Erinnerung an die Opfer bemühen.

Robert Vorberg für die KZ-Gedenkstätte Mauthausen

Detaillierte Informationen zu den Außenlagern des KZ Mauthausen finden Sie unter: https://www.mauthausen-memorial.org/de/Wissen/Die-Aussenlager#map||