Nachruf auf Robert Chanut

09.08.2016

Nachruf auf Robert Chanut

Aus Paris erreichte uns die traurige Nachricht, dass Herr Robert Chanut im Alter von 92 Jahren verstorben ist.

Rober Chanut wurde am 11. Juli 1924 geboren. Im Jahr 1944 wurde er im Gebiet von Cluny von der Pariser Sicherheitspolizei verhaftet und ins KZ Mauthausen gebracht. Mit der Häftlingsnummer 62122 wurde er am 28. April 1944 in Gusen eingeteilt und arbeitete in der Waffenfabrik des Kommandos STEYR. Genau ein Jahr nach seiner Ankunft in Gusen, am 28. April 1945 wurde er zusammen mit mehreren hundert französischen, belgischen und holländischen Häftlingen ins KZ Mauthausen gebracht. Er wurde am 5. Mai 1945 befreit und kehrte nach Frankreich zurück.

Bei seiner Verhaftung am 14 Februar 1944 erwartete Robert Chanut, der seit fünf Jahren verheiratet war, die Geburt seines ersten Kindes. In den letzten Zeilen seines, im Jahre 2011 veröffentlichten Werkes „365 Tage Überleben in GUSEN I, Oh Ort der Verzweiflung...“, beschreibt Robert Chanut den einzigen Augenblick, in dem die Lagerverwaltung von Gusen etwas Menschlichkeit bewies: «eines Tages im Sommer 44 wurde mir vom Blockschreiber eine Botschaft des Roten Kreuzes übermittelt. Diese in französischer Sprache geschriebenen Worte holten mich in die zivilisierte Welt zurück: „Fils né le 13 Mai 1944 [Am 13. Mai 1944 wurde Ihnen ein Sohn geboren] “…»

Robert Chanut ist ein einziges Mal nach Österreich zurückgekehrt, und zwar im Oktober 2011 im Rahmen einer vom Verein l’Amicale de Mauthausen (Paris) organisierten Gedenk- und Studienreise. Am 15. April 2016 wurde ihm für seine Zeugenberichterstattungen über die Deportationen das „Kreuz der Ehrenlegion“ verliehen.

Von den 45 Männern aus Cluny, die nach Mauthausen verschleppt wurden, sind 12 nach der Befreiung wieder nach Frankreich zurückgekehrt. Robert Chanut war der letzte Überlebende.

Wir trauern um Robert Chanut.