Niemand war zu Recht im KZ

11.04.2019

Der Leiter unserer Forschungsstelle, Andreas Kranebitter, setzt sich in der aktuellen Ausgabe der "Zwischenwelt. Zeitschrift für Kultur des Exils und Widerstands" mit zwei neueren Bucherscheinungen zu sogenannten kriminellen und asozialen Überlebenden des KZ Mauthausen auseinander.

Niemand war zu Recht im KZ
(Foto: KZ-Gedenkstätte Mauthausen)

Unser Kollege Andreas Kranebitter setzt sich in der aktuellen Ausgabe der "Zwischenwelt. Zeitschrift für Kultur des Exils und Widerstands" mit zwei neueren Bucherscheinungen auseinander: Wolfgang Freitags "Der Fall Karl Horvath"  (Wien: Mandelbaum Verlag) und David Schalkos Roman "Schwere Knochen" (Köln: Kiepenheuer und Witsch). Während Freitag einen Nachkriegsprozess gegen den vermeintlichen Kapo Karl Horvath zum Thema macht, auf Ambivalenzen fokussiert und einfache moralische Kurzschlüsse verweigert, verkommt Mauthausen in Schalkos Roman zur bloßen Bühne, wobei, wie Kranebitter schreibt, mit dem Gestus des Tabubruchs daherkommt, was klassische österreichische Geschichtsmythen über das KZ Mauthausen transportiert (http://theodorkramer.at/zwischenwelt/ausgaben/alexandras-sachen/).

Wie aktuell die Thematik ist, zeigt die Behandlung zweier Anträge der Grünen und der FDP zur Anerkennung von "Asozialen" und "Berufsverbrechern" im deutschen Bundestag am letzten Donnerstag. Die Anträge basieren auf einer Initiative, die die ForscherInnen Frank Nonnenmacher, Dagmar Lieske, Sylvia Köchl, Julia Hörath und Andreas Kranebitter vor einiger Zeit gestartet haben und die u.a. auch von Barbara Glück, Direktorin der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, als Erstunterzeichnerin unterstützt wurde. 
(Die Debatte kann hier nachgesehen werden: https://www.bundestag.de/#url=L2Rva3VtZW50ZS90ZXh0YXJjaGl2LzIwMTkva3cxNC1kZS1ucy1vcGZlcmdydXBwZW4tNjMwOTMw&mod=mod493054). 

Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen gratuliert den InitiatorInnen zu diesem wichtigen Zwischenschritt und ist gespannt auf die weitere Entwicklung der Anerkennung dieser letzten vergessenen Opfergruppen nationalsozialistischer Konzentrationslager. Denn, wie es in dem Appell heißt: Niemand war zu Recht im KZ.