Nachruf auf Ljubomir Zečević

15.05.2017

Aus Belgrad erreichte uns die traurige Nachricht, dass unser Freund Ljubomir Zečević, Vorsitzender der Vereinigung der ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Mauthausen in Serbien, am 12. Mai verstorben ist.

Nachruf auf Ljubomir Zečević
Ljubomir Zečević im Mai 2013 an der KZ-Gedenkstätte Mauthausen (Foto: KZ-Gedenkstätte Mauthausen / Ralf Lechner)

Aus gutsituiertem Elternhaus stammend, schloss sich Zečević als Schüler der kommunistischen Jugend Jugoslawiens an. Nach dem deutschen Überfall auf Jugoslawien war Ljubomir Zečević im Widerstand gegen die nationalsozialistische Besatzung aktiv. Nach mehreren Festnahmen wurde er als 17-jähriger in das Lager Banjica verschleppt und schließlich in das KZ Mauthausen deportiert, wo er im November 1943 als politischer Häftling registriert wurde. Die SS transportierte ihn zuerst in das Außenlager Redl-Zipf und später weiter in das Außenlager Ebensee, wo er beim Bau der Stollenanlagen arbeiten musste. Nach der Misshandlung durch einen zivilen Vorarbeiter war er vorübergehend arbeitsunfähig. Sein Überleben im KZ Ebensee hatte Zečević vermutlich dem Lagerschreiber Drahomír Bárta zu verdanken, der ihm nach diesem Zwischenfall zu einem Posten als Kommandoschreiber verhalf.

Nach der Befreiung aus dem KZ kehrte Zečević nach Belgrad zurück, wo er Politikwissenschaften studierte. Danach begann er als Sportreporter zu arbeiten, wechselte dann aber zum öffentlich-rechtlichen Radio Television Belgrad, wo er bald für das Kulturressort verantwortlich war. Von 1972 bis zum Ruhestand 1985 war er Direktor von Radio Television Belgrad.

Daneben war Zečević auch publizistisch tätig und engagierte sich zunehmend dafür, dass die Erinnerung an den nationalsozialistischen Terror und insbesondere an das KZ Mauthausen erhalten blieb. Viele Jahre war Präsident der Vereinigung der ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Mauthausen in Serbien und vertrat Serbien beim Comité International de Mauthausen. 2003 stand er im Rahmen des Mauthausen Survivors Documentation Project für ein ausführliches Interview zur Verfügung. Für das Gedenkbuch für die Toten des KZ Mauthausen und seiner Außenlager steuerte er gemeinsam mit Tamara Ćirić zahlreiche Biographien bei. Ebenfalls gemeinsam mit Tamara Ćirić verfasste er vor kurzem noch die Monographie „Koncentracioni logor Mauthauzen - povratak nepoželjan“, die erst vor einem Jahr öffentlich präsentiert wurde.

Sein Werk wird bleiben – sein Tod hinterlässt aber eine schmerzhafte Lücke. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.

Die Verabschiedungsfeier wird am 18. Mai in Belgrad stattfinden.

Ralf Lechner für die KZ-Gedenkstätte Mauthausen