Eröffnung des "Bistro Mauthausen Memorial"

05.04.2017, 09:30 Uhr

Seit 1. März 2016 sorgen vier Menschen mit Behinderung - unterstützt von professionellen Gastronomiefachkräften des Diakoniewerks - im "Bistro Mauthausen Memorial" für das leibliche Wohl der BesucherInnen der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Nach umfangreichen Umbauarbeiten, ermöglicht durch die Burghauptmannschaft Österreich, wurde dieser integrative Gastronomiebetrieb am 5. April 2017 im Besucherzentrum der KZ-Gedenkstätte Mauthausen von Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer neu eröffnet.

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Direktorin DDr.in Barbara Glück bei der Eröffnungsfeier (Foto: KZ-Gedenkstätte Mauthausen)

Mit der Eröffnung des "Bistro Mauthausen Memorial" am 1. März 2016 setzten die KZ-Gedenkstätte Mauthausen und das Diakoniewerk ein klares Zeichen für mehr Toleranz, Inklusion und Chancengleichheit an diesem geschichtsträchtigen Ort. Nach einem Jahr Probebetrieb und Umbauarbeiten, die vor allem die Modernisierung der Küche und die Erweiterung der Lagerräumlichkeiten betrafen, wurde der Gastronomiebetrieb von Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer bei der Eröffnungsfeier am 5. April 2017 im Besucherzentrum der KZ-Gedenkstätte Mauthausen neu eröffnet.

Vier Menschen mit Behinderung bringen seit einem Jahr im Gastronomiebetrieb der KZ-Gedenkstätte Mauthausen ihre individuellen Fähigkeiten ein und sammeln - unterstützt von professionellen Gastronomiefachkräften - wertvolle Erfahrungen im Arbeitsleben und im sozialen Umfeld. Sie bereiten Speisen in der Küche zu, sind im Service tätig und befüllen die Getränkeautomaten in der gesamten Gedenkstätte. Zu Spitzenzeiten versorgen sie bis zu 500 Gäste pro Tag. Neben der hohen BesucherInnenzahl, stellen die Sprachen- und Kulturvielfalt eine große Herausforderung dar. "Wenn wir die Gäste nicht verstehen, dann versuchen wir es mit Handzeichen und einem Lächeln", so Kerstin S., die darin kein Problem sieht.  

"Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen ist heute mehr als ein Gedenk- und Lernort, sie ist ein Ort der Begegnung und des Miteinanders, an dem Menschenrechtsbildung gelebt und aktiv gefördert wird. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist die tägliche Arbeit meines Teams und die Arbeit des Teams des ‚Bistro Mauthausen Memorial‘. Sie beide haben gemein, dass sie jeden Tag aufs Neue den internationalen BesucherInnen der KZ-Gedenkstätte Mauthausen vorleben, wie wichtig Werte wie Offenheit, Respekt und Akzeptanz sind", erklärt DDr.in Barbara Glück, Direktorin der KZ-Gedenkstätte Mauthausen.

Für Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer, der schon im November 2016 das Projekt mit dem Menschenrechtspreis des Landes Oberösterreich gewürdigt hat, ist das Bistro-Team ein notwendiges Zeichen für eine Gesellschaft, in der Solidarität und Entfaltung gelebt wird. Es sei aber auch ein politisches Statement, wie Pühringer bei der Eröffnungsfeier betonte, da es nie mehr wieder so weit kommen darf, dass zwischen würdigem und unwürdigem Leben unterschieden wird.

Für Mag. Josef Scharinger, Vorstand des Diakoniewerks, ist die Umsetzung dieses Modelles am Standort KZ-Gedenkstätte Mauthausen ein Meilenstein auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft: "Im Sinne der gleichberechtigten Teilhabe gehen wir von einer Gesellschaft aus, die unabhängig von Behinderung, Hautfarbe, Religion, etc. gleich an Rechten und Chancen ist. Das Bistro-Team setzt ein notwendiges Zeichen für eine Gesellschaft, in der Solidarität und gleichberechtigte Begegnung im Vordergrund stehen sollen anstatt Ausgrenzung. Ein achtsamer Umgang miteinander ist heute mehr denn je gefragt."

Jeder Arbeitsplatz hilft Menschen mit Behinderung, ihre Stärken zu entfalten und Wertschätzung zu erfahren. "Für uns und auch die Menschen, die im Bistro arbeiten, ist es ein Arbeitsplatz wie jeder andere auch. Es geht darum, Normalität zu leben und vor allem auch die Anforderungen, die ein Gastronomiebetrieb stellt, in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen professionell zu erfüllen" betont Mag. Gerhard Breitenberger, Geschäftsführung Diakoniewerk Oberösterreich.

"Menschen mit Behinderung sollen und müssen unterstützt werden, damit sie an der Gesellschaft in gleicher Weise wie nicht behinderte Menschen teilhaben können, und ebenfalls die Chance auf ein möglichst selbstbestimmtes Leben erhalten. Persönlich bin ich der Meinung, dass die gesamte Gesellschaft auf lange Sicht davon profitieren wird", so Glück abschließend.