12. März 1938: Der "Anschluss" und seine Vorgeschichte

09.03.2018

12. März 1938: Der
(Foto: Archiv Robert Streibel)

Am 12. März 1938 überschritten Einheiten der Deutschen Wehrmacht und der Polizei die Grenze zu Österreich. Damit war der „Anschluss“ an das Großdeutsche Reich vollzogen. Von weiten Teilen der Bevölkerung wurden die Besatzer jubelnd empfangen. Gleichzeitig folgte die erste Terrorwelle mit der Verhaftung und Deportation Zehntausender Personen – RegimegegnerInnen und BürgerInnen jüdischen Glaubens. In den kommenden sieben Jahren waren zahlreiche ÖsterreicherInnen direkt an den nationalsozialistischen Massenverbrechen und der Shoah in Europa beteiligt. Zugleich wurden rund 66.000 jüdische und Tausende politisch verfolgte BürgerInnen deportiert und ermordet.

Aber bereits vor dem 12. März 1938 übten illegale Nationalsozialisten in Österreich jahrelang Terror aus, der zahlreiche Todesopfer forderte. Im Juli 1934 hatten sie erfolglos versucht, mittels eines Putsches an die Macht zu kommen. Davor schon war Österreich vom Weg der Demokratie abgekommen. Im März 1933, hatte Kanzler Engelbert Dollfuß das Parlament ausgeschaltet. Im Mai 1934 errichtete er eine austrofaschistische Diktatur, die ihre GegnerInnen verhaften, internieren und hinrichten ließ. Die weitgehende Zerschlagung der politischen Opposition durch den Austrofaschismus war einer der Gründe, warum die Machtübernahme der Nationalsozialisten vier Jahre später reibungslos funktionieren konnte. Bereits in den 1920er und frühen 1930er Jahren waren die zunehmende Polarisierung und Paramilitarisierung der Gesellschaft nicht nur zugelassen, sondern von politischen Entscheidungsträgern bewusst gefördert worden. Und wiederum davor befeuerten Politiker wie etwa der Wiener Bürgermeister Karl Lueger das verbreitete antisemitische Ressentiment, indem sie ihm auf politischer Bühne Ausdruck und Legitimation verliehen. Andere traten nicht entschlossen genug dagegen auf.

Beginnt die Geschichte des Nationalsozialismus in Österreich tatsächlich am 12. März 1938? Oder ist dieser Tag lediglich Kulminationspunkt einer langen Entwicklung? Und wenn ja, wo und womit begann sie?

Christian Dürr für die KZ-Gedenkstätte Mauthausen