Internationale Gedenkfeier gegen das Vergessen am Loibl

10.06.2017

Internationale Gedenkfeier gegen das Vergessen am Loibl
(Foto: KZ-Gedenkstätte Mauthausen / Stephan Matyus)

Das Bemühen, das lange Zeit „vergessene“ Außenlager von Mauthausen im kulturellen Gedächtnis Österreichs und Kärntens zu verankern, stand im Mittelpunkt der Internationaler Gedenkfeier beim ehemaligen KZ Loibl. Vor siebzig Jahren wurden die Häftlinge aus dem Konzentrationslager Mauthausen und seinen 49 Außenlagern, darunter das KZ Loibl Nord, befreit. Am 10. Juni 2017 fand die Internationale Gedenkfeier in Erinnerung an die Opfer des KZ Loibl Nord auf der Kärntner Seite des Loibltunnels am ehemaligen Appellplatz statt. Das Programm umfasste Gedenkreden, Stimmen von ZeitzeugInnen und den Besuch der Gedenkstätte KZ Loibl Süd.

Mit einer Kranzniederlegung am nördlichen Tunnelportal wurde die Gedenkfeier feierlich eröffnet. Zahlreiche internationale diplomatische VertreterInnen waren gekommen, um den verstorbenen Zwangsarbeitern zu gedenken. „Das Motto der Veranstaltung ‚Internationalität verbindet‘ ist ein Bekenntnis und wird durch die Teilnahme vieler internationaler Delegationen an der heutigen Gedenkveranstaltung verstärkt", sagte der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser in seiner Ansprache. Bereits dadurch werde der internationale und grenzüberschreitende Zusammenhalt signalisiert und das kollektive Gedächtnis gestärkt.

In seiner Gedenkrede betonte der Schriftsteller Alois Hotschnig, dass es darum gehe, Position zu beziehen: „Der Blick ist nicht in die Vergangenheit, sondern mitten ins Leben gerichtet. Es geht um das Wissen wollen.“ Es gelte dort, wo wieder Wachtürme errichtet werden, diese im Auge zu behalten. „Das Hinsehen und das Wegsehen – beides sind wir, die Entscheidung darüber ist eine Entscheidung über uns selbst.“ Botschafter Valentin Inzko, Hoher Repräsentant von Bosnien-Herzegowina, betonte, dass die Veranstaltung nicht in die Vergangenheit gerichtet sei, ihre Botschaften seien universell und sollten auch so verbreitet werden.

Auch Zeitzeugin kam zu Wort

Daniel Simon von der Amicale de Mauthausen Paris verwies auf das Motto der Veranstaltung „Internationalität verbindet“: „Es handelt sich um die Beziehung erinnernder, ideologischer, kultureller, philosophischer Art mit dem tragischen Kapitel Naziherrschaft in Europa, die wir zu bewahren anstreben, um unsere Gegenwart zu erhellen und uns zu helfen, an die Zukunft zu denken.“ Als Zeitzeugin sprach Hermine Liska, Überlebende eines NS-Umerziehungsheimes“ und als Jugendliche im Widerstand der Zeugen Jehovas. „Als Achtjährige bekam ich damals das ganze Ausmaß an Ausgrenzung zu spüren, heute erzähle ich meine Lebensgeschichte in Schulen und versuche so dazu beizutragen, dass Jugendliche ein Selbstbewusstsein entwickeln und Nein sagen zum negativen Gruppenzwang."

Internationale und österreichische Delegationen sowie zahlreiche VertreterInnen von NS-Opferverbänden nahmen am Gedenken teil. Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen war durch ihren Kaufmännischen Leiter Jochen Wollner und Ute Bauer-Wassmann (Gedenkbüro) vertreten. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Jugendchor Danica/Mladinski zbor Danica, St. Primus/Šentprimož unter der Leitung von Barbara Mistelbauer-Stern.