Statement und Position der KZ-Gedenkstätte Mauthausen
07.08.2026
Vorfall an der KZ-Gedenkstätte Mauthausen mit internationaler Jugendgruppe und anderer Besucherin
Hintergrundinformation
„Thank you to the staff for swiftly trying to handle the situation.“ Mit diesen Worten beschreibt die Besucherin selbst in der Caption ihres veröffentlichten Videos das Vorgehen der Mitarbeiter*innen der KZ-Gedenkstätte Mauthausen.
Beim Besuch von rund 600 Teilnehmer*innen eines internationalen antifaschistischen Jugendcamps kam es zu einem Zwischenfall. Ein Teilnehmer trug ein T-Shirt mit der Aufschrift „Free Palestine“. Dieses war den Mitarbeiter*innen im Rahmen der Betreuung der großen Gruppe nicht aufgefallen. Auch die lautstarke Reaktion einer Einzelbesucherin konnte zunächst nicht eingeordnet werden.
Nachdem klar wurde, worum es ging, reagierten die Mitarbeiter*innen umgehend. Sie versuchten die Situation zu deeskalieren und verständigten zur Unterstützung gleichzeitig die Polizei. Bis zum Eintreffen der Polizei konnte die Lage aber bereits beruhigt werden.
Unsere Mitarbeiter*innen haben nach Bekanntwerden des Sachverhalts alles versucht, um nach den untenstehenden Prinzipien zu handeln und im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles unternommen, um die Situation bestmöglich zu lösen.
Position und Statement der KZ-Gedenkstätte
Eine Gedenkstätte ist ein Ort des Erinnerns, des Gedenkens und der historisch-politischen Bildung. Wir begegnen allen Besucherinnen und Besuchern mit Offenheit und respektieren das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie die Vielfalt von Meinungen, solange diese sich im Rahmen der geltenden Gesetze bewegen, keine antisemitischen, rassistischen, oder allgemein diskriminierenden Positionen vertreten oder die Würde der Opfer nicht verletzen.
Für den Umgang mit Provokationen, die keine gesetzlichen Tatbestände erfüllen, gelten für uns folgende Grundsätze:
- Deeskalation als oberstes Gebot: Der Schutz der Würde des Ortes und die Sicherheit aller Anwesenden stehen an erster Stelle. Auf Provokationen reagieren wir besonnen, ruhig und deeskalierend, um emotionale Eskalationen zu vermeiden.
- Diskussion vor Anschuldigung: Wir setzen auf den offenen Dialog statt auf vorschnelle Verurteilungen. Wenn Kleidung Irritationen auslöst, suchen wir das sachliche Gespräch, um Hintergründe zu verstehen und den Bildungsauftrag der Gedenkstätte aktiv wahrzunehmen.
- Wahrung der Meinungsvielfalt: Toleranz zeigt sich insbesondere im Umgang mit schwierigen oder unangenehmen Botschaften. Solange keine rechtlichen und ethischen Grenzen überschritten werden, bleibt der Raum für Diskurs und Reflexion.
- Fokus auf den historischen Kontext: Wir laden dazu ein, Kontroversen konstruktiv zu nutzen, um über die Bedeutung von Symbolen, Geschichte und gesellschaftlicher Verantwortung zu sprechen.
KZ-Gedenkstätten im Allgemeinen und die Gedenkstätte Mauthausen im Besonderen dienen auch als Projektionsflächen für gegenwärtige politische Konflikte. Im Sinne einer Reflexion der Bedeutung des Vergangenen für die Gegenwart ist dies an solchen Orten auch erwünscht und entspricht den Grundsätzen der historisch-politischen Bildung. Gegenwärtig kommt es jedoch vermehrt zu Situationen, in denen politische Anliegen, die an diesen Orte geknüpft werden, in diametralem Gegensatz zueinander stehen. Die Geschichte und die Würde des Ortes gebieten es, solche Konflikte sachlich und in gegenseitiger Empathie auszuverhandeln. Provokationen anderer Gedenkstättenbesucher*innen sind unerwünscht, und die Gedenkstätte behält sich vor, in solchen Fällen Verweise auszusprechen.
Wir hätten uns in dieser Situation einen offenen und respektvollen Dialog zwischen allen Beteiligten gewünscht. Als Gedenkstätte sehen wir es als unsere Aufgabe, Räume für historische Auseinandersetzung und respektvolle Gespräche zu schaffen, gerade dann, wenn unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen.