Wir trauern um Onufrij Mychajlowytsch Dudok

22.09.2020

Uns erreichte die traurige Nachricht, dass Onufrij Mychajlowytsch Dudok am 14. September 2020 gestorben ist.

Wir trauern um Onufrij Mychajlowytsch Dudok
(Foto: KZ-Gedenkstätte Mauthausen/Bernhard Mühleder)
Onufrij Mikhajlowitsch Dudok wird am 12. Juni 1926 in der damals polnischen Ortschaft Kosowiec geboren. Mitte September 1939 annektiert die Sowjetunion den östlichen Teil Polens. Im Alter von dreizehn Jahren muss er die Schule abbrechen und arbeitet in einer Spirituosenfabrik. Am 22. Juni 1941 überfällt die deutsche Wehrmacht die Sowjetunion. Innerhalb kürzester Zeit gerät das Gebiet der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik unter deutsche Besatzung. Onufrij Dudok gehört zu den Millionen von Männern und Frauen, die als Zwangsarbeiter*innen nach Deutschland verschleppt werden. Über Umwege gelangt der junge Mann nach Nürnberg. Als Onufrij Dudok sich auf dem Rückweg von der Post, von wo aus er seine Familie über seinen Aufenthalt informieren wollte, während einer Polizeikontrolle nicht ausweisen kann, wird er verhaftet. Die Polizei unterstellt ihm, dass er hätte fliehen wollen.
Nach mehreren Wochen Polizeihaft überstellt die Gestapo Nürnberg Onufrij Dudok am 12. Januar 1943 in das Konzentrationslager Flossenbürg. Hier muss er im Steinbruch arbeiten. Zusammen mit 1.000 anderen Gefangenen deportiert die SS Onufrij Dudok Anfang Dezember 1943 in das Konzentrationslager Auschwitz. Als die sowjetischen Streitkräfte Ende 1944 immer näher rücken, beginnt die SS, das Konzentrationslager Auschwitz aufzulösen, Tausende Gefangene werden in andere Lager verlegt.
Er wurde in das Konzentrationslager Mauthausen überstellt. Hier war er einige Wochen zur Quarantäne im Block 20. Anschliessend kam er in das KZ Gusen wo er in verschiedenen Kommandos zur Zwangsarbeit eingesetzt wurde. Am 5. Mai 1945 wurde er in Gusen befreit. Er war 19 Jahre alt und von der Haft schwer gezeichnet. Eineinhalb Jahre wurde er medizinisch behandelt, bevor er wieder nach Hause zurückkehren konnte. Niemand aus seinem Dorf rechnete noch mit seiner Rückkehr. Dafür war die Freude dann umso größer.
 
Im April 2016 besuchte er mit einer Delegation der KZ-Gedenkstätte Flossernbürg die KZ-Gedenkstätte Mauthausen und wurde dabei von unserem Kollegen Bernhard Mühleder begleitet, von dem auch das Foto stammt.
Wir trauern um Onufrij Mychajlowytsch Dudok.