Wirkung und Bekanntheit der KZ-Gedenkstätte Mauthausen

08.11.2018

Im Rahmen eines vom Zukunftsfonds der Republik Österreich finanzierten Kooperationsprojektes des Mauthausen Komitees Österreich, des Meinungsforschungsinstituts OGM und der KZ-Gedenkstätte Mauthausen wurde eine Studie zur Wirkung und Bekanntheit der KZ-Gedenkstätte Mauthausen durchgeführt.

Wirkung und Bekanntheit der KZ-Gedenkstätte Mauthausen
v.l.n.r.: Dr. Kurt Scholz (Zukunftsfonds der Republik Österreich), Willi Mernyi (Mauthausen Komitee Österreich), Staatssekretärin Mag. Karoline Edtstadler, DDr. Barbara Glück (KZ-Gedenkstätte Mauthausen), Christoph Haselmayer (OGM), Prof. Herwig Hösele (Zukunftsfonds der Republik Österreich) Fotocredit: KZ-Gedenkstätte Mauthausen

Die Studie zeigt, dass 96 Prozent der befragten Österreicherinnen und Österreicher die KZ-Gedenkstätte Mauthausen kennen. Informationen über die Gedenkstätte haben 74 Prozent der Befragten im Rahmen ihrer Schullaufbahn erhalten und 65 Prozent jener Personen, die die Gedenkstätte besucht haben, taten dies im Zuge ihrer Schulzeit. Bei den unter 30-Jährigen liegt der Wert mit 83 Prozent hier deutlich höher.

Die Frage, ob Themen wie die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Geschichte des KZ Mauthausen in der Schule behandelt werden sollen, beantwortet eine deutliche Mehrheit (92 Prozent) mit ja. Die Schule als wichtigster Partner der Geschichtsvermittlung spielt hier eine wesentliche Rolle. „Dieses Ergebnis bestärkt mich in meinem Ziel, dass alle SchülerInnen einmal in ihrem schulischen Leben die Möglichkeit haben sollen, die Gedenkstätte zu besuchen“, erklärt Staatssekretärin Karoline Edtstadler.

Eine wesentliche Rolle spielt auch die enge Zusammenarbeit von Schule, Gedenkstätte und Mauthausen Komitee. „Wir sind bestrebt, diese Zusammenarbeit weiter auszubauen. Wir gehen davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit eines Gedenkstättenbesuches, wenn dieser nicht im Rahmen der Schullaufbahn passiert, leider sehr gering ist. Es müssen daher auch in Zukunft verstärkt Maßnahmen getroffen werden, damit Menschen auch außerhalb ihrer schulischen Karriere die Gedenkstätte besuchen“, so Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitee Österreich.

Schulbildung und Interesse

Die Studie zeigt auch, dass Personen mit Pflichtschulabschluss gegenüber jenen mit BHS-, Matura- und Hochschul-Abschluss sich deutlich weniger mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Allgemein lässt sich anhand der Ergebnisse festhalten, dass der Grad der Auseinandersetzung mit der Thematik abhängig von der Länge der Teilnahme im Schulsystem ist. Gleichzeitig ist die Bereitschaft, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, bei den AbsolventInnen aller Ausbildungswege sehr hoch. Insbesondere bei den AbsolventInnen der Pflichtschule ist hohes Interesse (62 Prozent) an der Thematik vorhanden. Für diese Gruppen sollten entsprechende Vermittlungsangebote zur intensiveren Auseinandersetzung entwickelt werden.

Auswirkungen eines Besuches an der Gedenkstätte

„Wir haben festgestellt, dass Menschen, die die Gedenkstätte besucht haben, intensiver über das Thema sprechen als jene, die den Ort nicht besucht haben“, erläutert Christoph Haselmayer, Mitglied der Geschäftsleitung von OGM. Auch sind jene Personen, die an der Gedenkstätte waren, der Meinung, dass der Besuch sensibler gegenüber der Thematik macht und in Österreichs Schulen entsprechend behandelt werden soll. „Dieses Ergebnis unterstreicht einmal mehr die Bedeutung eines Besuches an der Gedenkstätte als wesentliches Element einer zeitgeschichtlichen Auseinandersetzung“, erklärt Barbara Glück, Direktorin der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Jene Personen, die die Gedenkstätte besucht haben, messen dem Ort zudem einen höheren internationalen Stellenwert bei.

Social Media

Die Thematik hat innerhalb von Social Media laut der Studie eine sehr geringe Bedeutung, obwohl Social Media eines der wesentlichen Medien bei den unter 30-Jährigen ist. Gleichzeitig rezipieren die unter 30-Jährigen traditionelle Medien in vergleichsweise geringem Maße, um sich über das Thema zu informieren. Eindeutig ersichtlich ist, dass im Bereich Social Media ein deutlicher Nachholbedarf besteht und versucht werden muss, insbesondere Jugendliche auch über diese Medien besser zu erreichen. Ebenso wäre zu überprüfen, warum die unter 30-Jährigen nur mehr begrenzt über die traditionellen Medien erreicht werden können. Es besteht die Vermutung, dass in diesem Alterssegment solche Medien generell nicht bzw. kaum mehr konsumiert werden.

Wahrnehmung der Außenlager und anderer NS-Verbrechensorte

Das KZ Mauthausen war von 1938 bis 1945 Mittelpunkt eines Systems von mehr als 40 Außenlagern. Nur 42 Prozent der befragten Personen kennen andere Orte in ihrer Umgebung, an denen NS-Verbrechen begangen wurden. Hier besteht deutlicher Nachholbedarf. „Die Anstrengungen, den Menschen zu vermitteln, dass NS-Verbrechen nicht nur in Mauthausen, sondern auch oft unmittelbar in der eigenen Umgebung stattfanden, müssen verstärkt werden“, so Mernyi.