KZ-Gedenkstätte Gusen: Die Weiterentwicklung einer Gedenkstätte

08.10.2018

KZ-Gedenkstätte Gusen: Die Weiterentwicklung einer Gedenkstätte

Am 5. Mai 1945 befreiten Soldaten der U.S. Army mehr als 20.000 KZ-Häftlinge aus dem Konzentrationslager Gusen. Der Großteil war stark unterernährt und in katastrophalem gesundheitlichen Zustand. Das KZ Gusen war 1939 als Zweiglager des KZ Mauthausen gegründet worden. Anfang 1944 wurde es um ein zusätzliches Barackenlager, genannt Gusen II, erweitert. Über weite Strecken der Jahre 1944 und 1945 waren in den beiden Gusener Lagern mehr Personen als im Hauptlager Mauthausen interniert. Mehr als die Hälfte der mindestens 71.000 hierher deportierten Menschen kam in Gusen zu Tode.

Nur wenige Überreste deuten heute vor Ort auf die Existenz eines Lagers dieses Ausmaßes hin. Schon kurz nach der Befreiung begannen die baulichen Überreste des Lagers zu verschwinden. Das Lager Gusen II wurde von den amerikanischen Truppen komplett niedergebrannt, um die Ausbreitung von Seuchen zu verhindern. Das sogenannte herrenlose Gut des Lagers Gusen I wurde einerseits durch die örtliche Gemeindebehörde verkauft, andererseits kam es auch zu Plünderungen. Holz und Steine aus dem Lager wurden von der einheimischen Bevölkerung als Baumaterial verwendet. Zwar wurde auf Betreiben ehemaliger französischer und polnischer Häftlinge eine inoffizielle Gedenkstätte mit Gedenktafel und Gedenkstein, um den Krematoriums Ofen errichtet, jedoch blieb die der Ort des Lagers lange aus dem Blick der Öffentlichkeit und Behörden.

Erst Ende 1960 begannen ehemalige italienische Häftlinge Verhandlungen, um das Grundstück, auf dem die Reste des Krematoriums standen, zu erwerben. Sie kauften das Grundstück an und schenkten es der Gemeinde. 1961 stimmte die Gemeinde der Errichtung einer Gedenkstätte an diesem Ort zu. Verschiedene Häftlingsverbände brachten das Geld für die Errichtung des Memorials auf, das am 8. Mai 1965 eingeweiht wurde. Erst dreißig Jahre später,1997 übernahm die Republik die Verantwortung für die Erhaltung und Betreuung des Memorials. 2004 wurde das Besucherzentrum eröffnet, die Dauerausstellung zur Geschichte des Lagers Gusen wurde im Herbst 2005 präsentiert. 

Der Großteil der Grundstücke, auf denen das Lager Gusen stand, befindet sich heute jedoch in Privatbesitz. Dasselbe gilt für die wenigen baulichen Reste des Lagers, darunter das ehemalige Gebäude der Lagerführung („Jourhaus“), der Schotterbrecher, zwei ehemalige SS-Verwaltungsbarracken und der vormalige Appellplatz. Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen setzt sich mit aller Kraft für den Kauf dieser Grundstücke und der Errichtung einer neuen Gedenkstätte ein.

Seit Beginn 2018 rückt die Verwirklichung dieser Pläne erstmals in erreichbare Nähe, da die Privateigentümer der Grundstücke Verkaufsbereitschaft signalisieren und auch die Republik Österreich Interesse an der Umsetzung einer neuen Gedenkstätte zeigt.